Colson Whiteheads Buch „John Henry Days" wurde am 13.02.2004 sehr positiv in der SZ besprochen. „Der Spiegel" berichtet kurz darauf über das Buch und schildert anhand von Beispielen, wie schlecht es übersetzt wurde und deshalb sperrig zu lesen sei.
Dadurch neugierig geworden, habe ich das Buch zu lesen begonnen, und war mir immer unsicher, stilistisch so gewollt oder schlecht übersetzt? Teilweise ist es wohl wirklich schlecht übersetzt.
Die Handlung ist schnell erzählt. Sie handelt von John Henry, einem schwarzen Tunnelbauer, der 1876 in einem Zweikampf eine Dampfmaschine, die wie er Bohrhammer für den Eisenbahntunnelbau in den Fels schlägt, besiegt, aber nach dem Wettkampf stirbt. Von dieser historisch belegten Begebenheit wurde in vielen Volksliedern berichtet, die dann von bekannten Folksängern wie W. Guthrie, C. Cash übernommen wurden und John Henry so zum Mythos und Volkshelden werden lies.
Gleichzeitig erfahren wir von dem schwarzen J. Sutter, einem Journalisten, der als moderner Spesenritter und Schmarotzer auftritt und in den einstigen Sklavenstaat im Süden der USA nach Talcott fährt, um für eine Zeitung darüber zu schreiben, dass die Post dem historischen Ereignis eine Briefmarke widmet und diese am Ort des damaligen Geschehens vorstellt.
Er lernt dort eine junge schwarze New Yorkerin kennen, die die John Henry Sammlung ihres verstorbenen Vaters verkaufen will, aber noch Wichtigeres vorhat, wobei ihr Sutter hilft. J. Sutter erstickt beim offiziellen Abendessen am ersten Abend beinahe und wird von einem unbekannten Briefmarkensammler gerettet, der wegen der Briefmarkenvorstellung nach Talcott gereist ist, aber sich nicht als der harmlose Sammler erweist, der er zu sein vorgibt.
Whitehead schafft es, am Mythos J. Henry viele Figuren, Zeitebenen und Geschehen zu schildern, nicht langweilig, teilweise etwas komplex, aber sehr lesenswert.
Man merkt, dass Whitehead in Harvard Literatur studiert hat. Er kennt die Formen und Stile der Literatur und verwendet sie reichlich. Whitehead kann schreiben, ohne Frage, man wird noch mehr von ihm lesen, aber dies ist vielleicht nicht sein bestes Buch. Deshalb nur drei Sterne.