Aus der Amazon.de-Redaktion
John Dunstaple (oder auch Dunstable) gilt als der außerhalb Englands erfolgreichste englische Komponist vor den Beatles. Seinen Ruf verdankt er dem Umstand, dass im 15. Jahrhundert viele Elemente einer zuvor typisch englischen Kompostionsweise von Komponisten auf dem Kontinent übernommen und in deren Kompositionsstil integriert wurde. Dazu gehört die Verwendung von Terzen und Sexten, Intervalle die bis dahin als dissonant galten und das Harmonisieren von melodischen Linien mit parallel geführten Oberstimmen. Der aufkommende Renaissancestil des 15. Jahrhunderts, wie ihn zum Beispiel Dufay verkörpert, ist stark von englischer Musik beeinflusst worden.
Die Musik auf dieser CD, die hier teilweise zum ersten Mal eingespielt worden ist, ist durchweg geistlich: Antiphonen, Motetten und die Messe Rex seculorum. Besonders faszinierend sind die isorhythmischen Motetten (Track 6-9). Diese mathematisch strukturierten Stücke beruhen auf einem dreiteiligen Schema, bei dem jeder Teil in einem anderen Tempo gesetzt ist. Diese Teile gehorchen mathematischen Proportionen wie 3:2:1 oder 6:4:3, wie man sie auch aus der Architektur gotischer Kathedralen ableiten kann. Jeder Teil ist weiter unterteilt in zwei Teile, die rhythmisch vollkommen identisch sind (Isorhythmik). Das Orlando Consort hat diese Motetten jedoch so mit Leben erfüllt, dass man hier nicht das Gefühl hat, Mathematik vorgeführt zu bekommen. Die gesamte Aufnahme ist ausgefüllt mit einem weichen, fließenden Klang, der in dem kontinuierlichen harmonischen Fortschreiten zu einem dichten Band verwoben ist. --Katharina E. Schell