Ich muss einem Vorgänger hier widersprechen: Don Quijote oder zumindest Albert Camus'
Fremder sind die wahren Prototypen und Propheten des Antihelden - dies nur zur Richtigstellung. Mit letzterem hat Constantine allerdings schon ein bisschen was gemein; so der groe Zigarttenkonsum, bei ihm aber nicht zum Zeitvertreib, sondern wohl eher aus Gewohnheit, allerdings vermutlich mit demseleben existenzialistischen Hintergrund; das Nihilistische, das bei John Constantine auch zu einer Art Gewohnheit geworden ist, sein Dogma verloren hat, aber durch nichts ersetzt wurde und so einfach weiterregiert; und schließlich: die scheinbare Lässigkeit und Ruhe im Angesichts von Sturm, Unheil - und Dämonen, bei Constantine allerdings nicht im übertragenen Sinne.
Ich muss zugeben, dass meine Faszination für die Figur Constantine mit dem Film
Constantine geweckt wurde. Unerheblich, ob Keanu Reeves nun die perfekte Auslegung dieser Rolle war, steckten in dem Film und dem Charakter doch so viel angedeutete Metaphysik und Potential, dass ich die neuen Comics lesen wollte. Ich erhoffte mir weiteres über Constantine zu erfahren.
Nun, nach der Lektüre, bin ich weder enttäuscht noch beglückt. Man kann eigentlich weder den Illustrationen, noch dem Setting einen Vorwurf machen - beide sind, für sich, ausgezeichnet gemacht. Jedoch toben sich Erstere an den wichtigsten Stellen der Handlung dermaßen aus, dass die Story und die Sprechblasen davon erdrückt, also quasi physisch, auf dem Papier, in den Hintergrund der Aufmerksamkeit gedrängt werden. Auf der anderen Seite sind die Charaktere zwar gut gezeichnet, auch die Story ist nicht übel, aber: es passt beides nicht zusammen, nicht mal wenn man sagt "ist halt der Stil der Serie." Es passt einfach nicht so ganz.
Für jeden Comic-Fan ist dies Heft ein Juwel, allein schon von der graphischen Seite. Constantine-Fans, oder jene, die sich aufgrund des Films anschließen wollen, können es wahrscheinlich auch problemlos wagen. Wer kein spezielles Interesse an diesem Comic hat, sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen - jedem der es trotz dieser Warnung auf ein paar Stichworte und einen Versuch ankommen lassen will: Dieser Comic ist eine zeichnerisch dekadente, die Verkommenheit leicht anpreisende Mischung aus Noir und Fantasy, angeleitet von Lakonie und Horror, zusammengehalten von einem Typen, der die Dämonen von der Erde zurück in die Hölle verfrachtet.