Perlentaucher.de
Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2000
"Ein historischer Roman im besten Sinne" ist dem Autor hier nach Ansicht von Klaus Ensslen gelungen, der sich spürbar fasziniert zeigt von Russells mitreißender Schilderung der amerikanischen Gesellschaft aus der Zeit unmittelbar vor Ausbruch des Bürgerkriegs. "In kraftvollen Szenen und Bildern von großer Anschaulichkeit" hat der Autor so Ensslen - die private Seite Browns mit all seinen Facetten und Widersprüchlichkeiten gezeichnet. Lediglich die Sichtweise der unterdrückten schwarzen Bevölkerung kommt nach Ansicht des Rezensenten etwas zu kurz. Hier hätte er sich mehr "Vertiefung" gewünscht. Angesichts seiner Begeisterung für diesen Roman scheint dieser Punkt jedoch für ihn kaum ins Gewicht zu fallen. Auch die Übersetzung findet Ensslen "vorzüglich".
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
In diesem von realen wie fiktiven Personen bevölkerten historischen Roman über den Sklavereigegner John Brown erweckt Russell Banks die unruhigen Jahre vor dem amerikanischen Bürgerkrieg zum Leben und zeigt, wie tief die Rassenfrage seit Jahrhunderten die Vereinigten Staaten spaltet. Ob John Brown nun ein Heiliger, ein Irrer oder ein Verbrecher war, ohne ihn hätte die gesamte Geschichte Amerikas einen anderen Verlauf genommen. Am 16. Oktober 1859 überfällt John Brown im festen Glauben, einen Sklavenaufstand zu entfachen, mit siebzehn Getreuen das Waffendepot Harpers Ferry in Virginia. Kein einziger Sklave schließt sich ihnen an, zwei von John Browns Söhnen und die meisten seiner Mitstreiter sterben. Er selbst wird zwei Monate später gehenkt. Von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geplagt, schreibt einer der wenigen Überlebenden dieses Angriffs, sein Sohn Owen Brown, Ende des neunzehnten Jahrhunderts in der Einsamkeit einer kalifornischen Berghütte die Geschichte seines Vaters nieder und antwortet damit auf die Erkundigungen einer Historikerin, die an einer Biographie seines Vaters arbeitet. Der Werdegang John Browns vom gemäßigten weißen Abolitionisten zum gewalttätigen Terroristen im Kampf gegen die Sklaverei bildet ebenso wie die lebendige Schilderung der politischen und gesellschaftlichen Situation vor dem Bürgerkrieg nur einen Teil dieses facettenreichen Romans. Denn zugleich schreibt Owen über sein eigenes Leben, über die Beziehung, die er zu seinem liebevollen und strengen Vater hat, darüber, wie dieser religiöse Fanatiker und gescheiterte Geschäftsmann das Leben seiner Familie beherrscht und zunehmend in einen biblischen Zorn verfällt, der nicht nur ihn selbst ins Verderben reißt.Russell Banks wurde 1940 in New Hampshire geboren, arbeitete als Schuhverkäufer und Klempner, fing an zu malen, studierte und lebt heute als freier Schriftsteller und Dozent in Princeton, New Jersey. Für sein umfangreiches Werk hat er zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, u.a. den John- Don-Passos-Preis. John Brown, mein Vater wurde für den PEN/ Faulkner Award sowie für den Pulitzerpreis nominiert.