Ivan Vladislavic Johannesburg. Insel aus Zufall
A1 Verlag ISBN 3803112540
Der Autor ist Essayist und freier Schriftsteller und hat seine Stadt Johannesburg, in der er seit den siebziger Jahren lebt, in Streifzügen mit Beobachtungen aus dem Alltag zum Leben erweckt.
Dabei ist ihm ein Porträt dieser Metropole gelungen, das seinesgleichen sucht. Mit Beobachtungen aus dem alltäglichen Getriebe, aus der Nachbarschaft, Begegnungen mit Freunden und Verwandten hat er ein Bild zusammen geflochten, das sehr unterschiedliche Wahrnehmungen wieder gibt. Sein Bruder Branko, seine Frau Louise, sein Vater und viele andere treten auf und verschwinden hernach wieder. Es gibt keinen fortlaufenden Handlungsstrang. Die Schwarzen und die Weißen, die Vorurteile und die Milde,--alle tragen ihren Teil zu dem Bild bei, das Vladislavic von der Stadt entwirft. Die Kriminalität ist hoch, so dass die Häuser mit ausgeklügelten Sicherheitssystemen geschützt werden. Auch Einbrecher bedienen sich ausgeklügelter Systeme. Dass es dabei schon einmal zu einem Unfall kommt, wie dem, dass ein Einbrecher im städtischen Zoo bei einem Gorilla landet und von ihm gebissen wird, ist amüsant und einprägsam zugleich. Die Strassen und Mauern sind teils verunstaltet, teils verdreckt oder mit Graffiti besprüht. In Mauernischen findet man die Armen und Entrechteten. Vladislavic beobachtet jede Regung und jede Geste, er hört die Stimmen derer, die unter den Verhältnissen leiden und jener, die ihre Stadt lieben und sie der Unwirtlichkeit wegen auch verfluchen. Den Autor beschäftigen die Häuser, die Strassen und die Nachbarn.
Er entnimmt seine Schilderungen seiner visuellen Wahrnehmung. Dabei ist festzustellen, dass die Menschen in ihrer Armut ersticken und die Intellektuellen im diesem Chaos ihren Platz suchen.
Das Buch ist zunächst aus Katalogtexten, aus Texten zu diesem oder jenem Anlass oder über Recherchen zur Architektur entstanden. Diese Texte fügen sich als Stadtlandkarte zu einer geschlossenen Einheit zusammen.
V. Vldislavic ist mit ganzer Seele dabei, wenn er die Stadt durchstreift. Seine Sprache ist voller Empathie, präzise, durchdacht und filigran. Zwischen Fiktion und Autobiographie bewegen sich die einzelnen Kapitel. Das ist eine ungewöhnliche Form, sich über eine Stadt zu äußern, fügt sich aber als abgerundetes Bild zusammen.