Es ist doch erstaunlich: man geht in eine Kirche an der adriatischen Küste in Kroatien, sieht die nichtssagende (küchen-)lateinische Inschrift, die in der im Buch abgebildeten Abbildung eindeutig als Schildchen aus dem 20. Jahrhundert erkennbar ist, daß dort die kümmerlichen Überreste eines Johannes dort lägen. So, und daraus strickt der Autor ein unsäglich argumentarmes, spekulatives Kirchenkomplott, das wahrscheinlich nie existierte. Er begeht fürchterliche wissenschaftliche Sünden, indem er Vermutungen als Belege für Zufälle nimmt, sog. "Geheimentzifferungstechniken" verwendet, die er nicht erklärt, er nennt seine "glaubwürdigen antiken Quellen" nicht, und verweist gebetsmühlenartig auf die angebliche Existenz einer "pechbestrichenen Amphore", die Texte enthielten, die wohl seine Ausführungen beweisen würden. Weiterhin nennt er Kaiser Diocletian einen "Johannes-Christen", dessen berühmten Alterssitz er wohl Johannes gewidmet habe, was für ein Blödsinn! Diocletian war ein radikaler Restaurator des Reiches, der die schlimmsten organisierten Christenverfolgungen seit Decius veranlassen ließ, sich als "Dominus et Deus" bezeichnen ließ (seit Aurelian war das Usus), was wohl kaum auf etwas christliches hindeuten kann und schließlich legitimierte er sich über das sakral überhöhte Kaisertum der Spätantike, um eine neue Herrscherlegitimation nach der Reichskrise des dritten Jahrhunderts zu schaffen (Soldatenkaisertum 238-284). Außerdem ignoriert der Autor sämtliche heidnischen Quellen (wie die Historia Augusta), die diesen Kaiser als Erneuerer des Reiches und der alten Traditionen feiern. Eine weitere Lächerlichkeit in seinem Buch ist die unzulässige Reduzierung des jahrhundertelangen Streits des Arianismus mit dem römisch-katholischen Glauben auf einen Streit der Johannes- und Petrus/Paulus-Christen (ein vom Autor konstruierter, nicht existenter Gegensatz) einzig aufgrund der Tatsache, daß der arianische Bischof aus Alexandria aus Zufall war. Nette Beweisführung! Ein anderer gewichtiger Punkt ist der krampfhafte Versuch aus architektonischen Zufällen mathematische Mystifikationen zu erhalten nach dem Motto: Wir rechnen solange hin und her bis wir die gewünschten Ergebnisse haben. Da werden die Pythagoreer und die ägyptische Zahlenmystik ausgewalzt, ohne Sinn und Verstand auf den Kirchenbau des 13. Jahrhunderts projiziert und heraus kommt lediglich der "Beweis", daß es sich um Gnostiker (Zahkenmystiker) gehandelt habe. Also man rechnet, um zu beweisen, daß gerechnet wurde, worauf man also das "belegt", wovon man von beginn an ausgegangen ist bzw. was man als Ergebnis haben wollte. Manfred Dimde sollte sich vielleicht ausgiebiger mit dem Themenbereich der Alten Geschichte auseinandersetzen anstatt im Taumel eines Mittelaltermythoswahns haltlose Spekulationen vom Stapel zu lassen, die so bodenlos sind, dass es gar nicht mehr offensichtlicher geht!
Grausam!!!