Das Werk trägt den Untertitel *ein musikalisches Drama der Leidensgeschichte*, und in der Tat: der Inhalt ist höchst bewegend. Meinem Erachten nach bleibt diese Einspielung über weite Strecken hinweg flach und so sehr zurückgenommen, dass man sie als insgesamt eher misslungen betrachten kann. Obwohl das Ensemble und die Solisten sehr gut sind, springt kein Funke rüber. Das *gewisse Etwas* fehlt.
Absoluter Tiefpunkt erscheint mir die an sich hochdramatische Baß-Arie *Eilt, ihr angefochtnen Seelen*. Obwohl die Stimme kultiviert und sicher ist, wird die Arie schlicht vorgesungen, und keineswegs interpretiert. Der Text kommt merkwürdig teilnahmslos herüber, als würde ein überzeugter Nichtvegetarier verkünden, dass es auf dem Wochenmarkt wieder mal Bio-Pastinaken gibt - was ihn vollkommen kalt lässt.
Eine meditative Herangehensweise in Ehren, aber: Langeweile muss nicht sein. Wie es gehen könnte, lässt der wirklich präsente A. Scholl erahnen. Die Alt-Arie *Es ist vollbracht* leuchtet demnach als einsamer Edelstein in einer zähen Lehmmasse.
Mein Fazit: pädagogisch wertvoll, aber nicht mitreißend.