Produktinformation
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Der Morgen war hell. Ich empfand ihn wie Glas: E fühlte sich kühl an, klar und durchsichtig. Ich hatte da Gefühl, ich könne den Inhalt dieses Morgens sehen ohne ihn zu erkennen.
Ich stand auf wie immer. Ich wusch mich, prüfte vor dem Spiegel meinen Bart und entschloß mich zu eine Rasur. Dann kleidete ich mich an und hatte dabei das Gefühl, als wäre meine Kleidung heute etwas Besonderes. Ich setzte Wasser auf für meinen Kaffee und öffnet ein Fenster, um endlich den neuen Tag hereinzulassen.
Und er kam herein. Wie betäubt blieb ich am offenen Fenster stehen und nahm die Atmosphäre in mich auf. Nach wenigen Augen blicken mußte ich mich plötzlich abwenden. Ich glaubte, es einfach nicht ertragen zu können.
Was konnte ich nicht ertragen? Was war heute anders? Diese Frage stellte ich mir selbst. Und ohne nachzudenken, fiel mir sofort die Antwort ein: Das beinahe unerträglich intensive Gefühl, zu leben. Noch niemals hatte ich so sehr gefühlt, daß ich lebe. Ich versuchte, es abzuschütteln und wandte mich um.
In diesem Augenblick merkte ich zum ersten Mal, daß mit der Zeit etwas nicht stimmte. Das Wasser war schon beinahe verkocht, obwohl ich nur kurz am Fenster gestanden war. Ganz plötzlich entschied ich mich gegen den Kaffee.
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Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise in das innere Seelenleben und öfter als ihm lieb ist, wird er sich im Verhalten des jungen Mannes wiedererkennen. In all seinen nicht genutzten, verpassten Chancen und verwehten Hoffnungen wird der Leser, wenn er sich denn öffnen kann für die kleinen Weisheiten des Lebens, Licht am Ende des dunklen Tunnels erblicken.
Heinz Körner versteht es meisterlich in schlichten, einfachen Worten die vielfachen kleinen Lebenslügen, die wir uns alle mehr oder minder angeeignet haben, aufs Papier zu bringen. Manchmal radikal, fast brutal, wo es nötig erscheint, dann aber wieder herzlich und einfühlsam, gelingen ihm immer wieder Denkanstöße, um das eigene Verhalten zu spiegeln und somit Wege aus dem zwischenmenschlichen Sumpf zu vermitteln.
Die mittlerweile 36.(?) Auflage des seit 1978 gedruckten Büchleins hat in nichts an seiner Wichtigkeit und Aktualität eingebüßt.
M. Baschetti
Klaus, ein Angestellter mittleren Alters, trifft eines Tages Johannes, einen geheimnisvollen alten Mann. Sie beginnen sich zu unterhalten und über das zu reden, was niemand gerne hört. Dass wir uns alle hinter den anderen verstecken - immer ist irgendwer anders schuld - mal das System, mal die Politiker und mal der Nachbar. Jeder beschwert sich den ganzen Tag über irgendetwas und gibt die Schuld allen anderen nur nicht sich selbst, weil er sich so hinter der Lüge verstecken kann, dass er ja gar nichts dafür kann und die Situation in der er jetzt ist ja nur durch die anderen so ist, wie sie nun mal ist. Doch Johannes macht Klaus im Laufe des Gesprächs klar, dass jeder für sein Leben selbst verantwortlich ist und niemand anders. Dass jeder alles machen kann was er will, wenn er bereit ist die Konsequenzen zu tragen und dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten die Welt verändern kann, wenn er aufhört sich hinter den anderen zu verstecken.
"Eine bessere Welt wird es niemals geben, solange jeder nur davon träumt. Nur wenn jeder damit beginnt, im Rahmen seiner Möglichkeiten menschlicher zu leben und nicht nur davon zu reden, nur dann wird das eintreten, wovon auch du träumst."
Es ist ein Märchen über das was eigentlich jeder Mensch ahnt und tief in seinem Innern auch weiß, aber was er niemals zugeben würde. Ein Märchen, das einen zum Nachdenken bringt und Anstoß für eine neue Sichtweise der Dinge und somit für den Beginn eines schöneren Lebens sein kann.
Manche Dinge in diesem Buch fand' ich auch merkwürdig, aber im Großen und Ganzen hat Heinz Körner das ausgesprochen was auch ich mir nie wirklich bewusst gemacht habe - das mein Leben eben mein Leben ist und dass es zwar von anderen beeinflusst wird, aber nur weil ich und nicht irgendjemand anders es will und dass ganz alleine ich dafür verantwortlich bin, was in meinem Leben passiert.
Wenn man bedenkt, dass Heinz Körner dieses Buch geschrieben hat, als ich noch längst nicht auf der Welt war und sich bis heute immer noch nichts an der Gesamtsituation geändert hat, sodass das Buch immer noch zutrifft, könnte es einen eigentlich traurig stimmen oder aber dazu ermutigen endlich etwas zu ändern!
Heinz Körner liefert kein Patentrezept um die Probleme der Welt zu lösen, aber durch sein Buch bewegt er die Menschen zum Nachdenken, um eigene Lösungen zu finden und die Welt Stück für Stück ein bischen schöner werden zu lassen.
Insgesamt also ein Buch, bei dem sich der Kauf lohnt. Wobei man an manchen Stellen die Stirn runzelt und an anderen vielleicht sogar Tränen kullern...
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