Johannes Heinrichs, geb. 1942, zählt zweifellos zu den innovativsten systematischen Philosophen der Gegenwart. Als eine seiner wichtigsten Neuerungen gilt seine erstmals 1980 skizzierte Entdeckung der reflexiven Stufenfolge semiotischer Ebenen, der Ebenen des Sinn-Transports in menschlichen Vollzügen: Handlung - Sprache - Kunst - Mystik. Damit sind die großen Reflexions-Ebenen einer als Sinnvollzugslehre begründeten philosophischen Semiotik benannt. Diese werden durch das Reflexionsstufen-Prinzip sowohl klar unterschieden wie zugleich in einen integralen Bezug gesetzt (Integration durch Differenzierung). Dieses Semiotik-Projekt erweist sich als ebenso bedeutsam wie Heinrichs' viel diskutierten Entwürfe zur Demokratie- und Kulturtheorie. Seine umfangreichen Ausführungen zur Vermittlung von Handlungen und sozialem System in "Logik des Sozialen" (1976/2005) und "Revolution der Demokratie" (2003) wurden bereits "epochal" genannt. Beide Zweige der Reflexionstheorie, der sozialsystemische wie der semiotische, sind sind als Gesamtphilosophie von derzeit einmaliger methodischer Konsistenz und Reichweite. Reflexionstheorie bedeutet bei Heinrichs immer: theoretische Reflexion (Form) der als gesellschaftliche wie individuelle Praxis gelebten immanenten Reflexion (Inhalt). Mit seiner Reflexionstheorie menschlicher Sinnvollzüge und sozialer Systeme steht er auf den Schultern der deutschen Idealisten (Hegel, Kant, Fichte). Zu ihnen verhält sich Heinrichs allerdings nicht bloß historisieren sondern denkt sie, ihrem Erbe und Auftrag entsprechend, weiter. Heinrichs lehrte bis 2002 an der Humboldt Universität zu Berlin "Sozialökologie", als Nachfolger von Rudolf Bahro. Der Autor von über 30 Büchern lebt heute in Berlin und hält Vorträge in aller Welt.
www.johannesheinrichs.de