Andreas Venzke zeichnet ein ganz anderes Bild von Johannes Gutenberg, als jenes, das wir vorgesetzt zu bekommen gewohnt sind - spätestens seit der Wahl des Mainzer Erfinders zum Mann des Jahrtausends.
Wenn wir glauben, was wir von anderen Stellen hören, nämlich dass Gutenberg ein Mann mit großen Visionen gewesen sein muss, der einen großen Teil seiner Lebenszeit und -kraft in die Erfindung des Buchdrucks investiert hat, der um den wirtschaftlichen Erfolg seines Lebenswerks gebracht worden ist und als armer und gebrochener Mann sein Leben beschlossen hat, dann wird uns Venzke die Augen öffnen für ein anderes Bild von Gutenberg, das sich ebenso aus er Quellenlage ableiten lässt: Ein harter und manchmal auch skrupelloser Geschäftsmann, dessen einzige Vision es ist, reich zu werden. Er hat offenbar großes Geschick im Aufspüren von Marktlücken, sowie technisches Können und Talent, das er zur Erreichnug seines Ziels einsetzt. Er kann durchaus auch tatsächlich reich geworden ein. Keine bekannte Quelle beweist uns das Gegenteil.
Der große Verdienst Andreas Ventzkes ist es, dass er klar sagt, was sich aus den Quellen entnehmen lässt und was alles dem Mythos zuzuschreiben ist. Und eigentlich reichen die Fakten nicht aus, um uns ein eindeutiges Bild von Johannes Gutenberg zu machen. Auch jenes, das Ventzke entwirft, ist nicht das einzig mögliche.
Für mich war Ventzkes Darstellung zwar eine Demontage des Mythos, aber nicht des Verdienstes Gutenbergs. Alleine, was an technischer Entwicklung in dem funktionierenden Verfahren Buchdruck steckt, die vielen Detailprobleme, die über Jahrzehnte hinweg eines nach dem anderen gelöst weden mussten - und dass das im Großen und Ganzen ein Einzelner mit Beharrlichkeit geschafft hat - das muss anerkannt werden, auch wenn er mit dem Ergebnis vor allem Geld verdienen wollte.