Wie so ziemlich jeder großgewordene Bengel liebe ich nach wir vor Historienfilme. Abgesehen davon mag ich "Leon der Profi" und "das 5. Element" von Luc Besson. Dennoch war ich von diesem Film ein wenig enttäuscht. Vielleicht sollte ich mal so anfangen: aus filmischer Sicht betrachtet ist dieser Streifen sicherlich erste Sahne und aus historischer Sicht zumindest um Authenzität bemüht. Letztlich scheitert dieser Film aber einfach an seinem Gegenstand: die Story um Jean D'Arc ist nun einmal ein Drama. Und eine Frau, die zu der damaligen Zeit solche Taten vollbracht hat, ist nun einmal von der Norm abgerückt, d.h. wie Besson es [meiner Ansicht nach richtig] darstell nun einmal "verrückt". Der Wahnsinn der Johanna ist dann auch sehr hübsch in Bilder gefaßt, Paul Newmann wird eindrucksvoll eingesetzt. Allerdings - und da kommen wir zum Punkt - ist dieser Film sich selbst nicht ganz grün: die Schlachtszenen wirken trotz des riesen Aufgebotes an Material dennoch ein bißchen wie im Phantasialand, mal abgesehen von den abgehackten Gliedmaßen. Des weiteren heult und kreischt und tropft Johanna ständig vor sich hin, ach herrje ! Letztlich wäre das ja fast schon zu verschmerzen gewesen, wenn das Ende nicht so trivial geraten wäre: ich empfinde es nicht als überzeugend, daß der König Johanna so mir nix dir nix verraten hat. Sicher: er hat - aber dann möchte ich doch bitte in einem 2,5h Film dessen Beweggründe kennenlernen, wo er Johanna doch so viel zu verdanken hat. Weiter hat man Johanna den Prozeß gemacht - aber doch bitte nicht so: wo ist denn da der Wortwitz ? Wo sind die rhetorischen Fallen, mit denen man das Bauernmädchen auf's Kreuz legen wollte ? In so gut wie allen Büchern, die das Thema aufgreifen, wird viel viel mehr auf das Verfahren eingegangen; warum rügt der alte Mönch, daß das Urteil nicht am Anfang des Prozesses stehen dürfe, wo doch - im Film - die Kirche hinterher noch alles tun will, um Johanna zu retten ? Wie gesagt, der Gegenstand des Filmes ist eben eher vielschichtig, von Schlachtszenen über Wahnsinn bis hin zum dogmatischen Kartenhaus eines Hexenprozesses. Luc Besson hat es leider verpaßt das alles unter einen Hut zu bekommen, statt dessen nervt Mila Jovovic mit ihrem Geseier. Übrigens hat sie in der deutschen Version die Synchronstimme von Bart Simpson, weshalb ich auch den ganzen Film irgendwie an Flanders denken mußte ob all dieser Frömmigkeit.