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Besson (La Femme Nikita, Das fünfte Element) stellt überkommene Vorstellungen der Jungfrau von Orléans in Frage und schafft eine entschieden menschlichere Heldin als frühere Filmbiografien. Die Handlung ist dieselbe geblieben -- ein junges, ungebildetes Bauernmädchen überredet den französischen Dauphin, ihr eine Armee zur Verfügung zu stellen, die sie in Orléans zum Sieg führt, um dann wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen zu sterben. Aber Milla Jovovich spielt in der Titelrolle eine Frau, die von ihrer Bestimmung besessen ist. Ihre Einflüsse sind allerdings nicht gerade göttlicher Natur: Als Kind wird sie Zeugin wie die Engländer ihre Schwester ermorden, die ihr, der kleinen Johanna, ihr Versteck überlassen hatte. Dieses Ereignis lässt in ihr den tiefen Wunsch nach Rache reifen. Ja, auch in diesem Film spricht Gott gewissermaßen zu Johanna, aber sogar das wird noch untergraben: Dustin Hoffman in seiner Rolle als "das Gewissen" befragt sie zu ihren Motiven.
Künstlerisch gesehen ist Johanna von Orléans überwältigend, mit fantastischen Sequenzen von Johanna in Kommunikation mit höheren Mächten. Die unverhohlene Gewalt (zu den Szenen gehören wahllose Enthauptungen sowie ein Hund, der an einer Leiche nagt), die unterschiedlichen Akzente (die es schwer machen festzustellen, wer auf welcher Seite kämpft) und die umgeschriebene überlieferte Geschichte könnten allerdings zur Folge haben, dass diese Version der Jungfrau von Orléans nur Besson-Fans anspricht. Jovovich ist überzeugend, und obwohl der Film hin und wieder ins Stocken gerät (es gibt Momente, in denen man sich wünscht, sie würden sie nun endlich verbrennen), ist er dennoch eine bemerkenswerte und Einblick gewährende Neuinterpretation eines wohl bekannten Stückes Geschichte. --Jenny Brown
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Milla Jovovich spielt eine besessen wirkende, zum Teil fanatisiert kreischende Jungfrau und ist damit des völlige Gegenstück zur inbrünstig Gläubigen, eher die reine Unschuld verkörpernden Ingrid Bergmann der 1948er Version des Stoffes. Ihrer zum Teil auch visuell (in den gewagten Stunts) am Rande der Hysterie angesiedelten Rolle, verleiht sie mehrfach ungewöhnlich kraftvollen Ausdruck. Interessant ist auch die Rolle Dustin Hoffmans, der in den Kerkerszenen das personifizierte Gewissen der angeklagten Johanna verkörpert. Die aus dieser Konstellation resultierenden „Zwiegespräche" empfand ich anfänglich irritierend, aber inzwischen als nachhaltig interessant - verdeutlichen sie doch die Zerrissenheit und die Selbstzweifel der Gefangenen auf äußert neuartige Weise. Beeindruckend ist ebenfalls die durch John Malkovich deutlich anders angelegte Rolle des Dauphins. Im Gegensatz zur von José Ferrers eher verweichlicht verkörperten Figur, interpretiert Malkovich den Charakter des Königs intelligent und auch relativ zielstrebig. Ergänzt wird dieser Part durch die durch Hollywoodstar Faye Dunaway stimmig verkörperte, maskenhaft kalte königliche Schwiegermutter. Diese macht ihren bestimmenden Einfluss nachhaltig zu ungunsten Johannas geltend. In den harten Kampfszenen gelingt es Besson durch virtuosen Gebrauch der Handkamera dem Zuschauer ein bislang nicht gekanntes Gefühl der Enge des Kampfes „Mann gegen Mann" zu vermitteln. Großangelegte Szenen, wie die Aufmärsche auf freiem Feld und die opulente Krönung von Reims erinnern in Ihrem Glanz und der Farbenpracht an das „Golden Age". Auch die häufig überaus fantasievolle Kameraführung ist beachtlich.
Auch wenn der Film nicht in allem nachhaltig überzeugt, bietet er auf den zweiten oder dritten Blick viel gekonnt Sehenswertes, zum Teil gute schauspielerische Leistungen und darüber hinaus einigen Diskussionsstoff. Luc Bessons Johanna von Orlean ist damit ein interessantes Pendant, nicht nur zur 48er Fassung, sondern gewinnt dem Stoff auch gegenüber der eher konventionell und althergebracht geratenen Fernseh-Neuverfilmung (gezeigt von RTL) erstmals wirklich neue Aspekte ab. Besson hat mit seiner Kinoversion kein vollständig stimmiges Produkt, aber auch nicht einfach nur einen „schwachen" Film vorgelegt. In jedem Fall braucht diese Johanna-Version mehr Zeit sich in ihrer Wirkung zu entfalten als die linearen Blockbuster. Die auch technisch vorzügliche DVD bietet hierzu jetzt die Gelegenheit. Das brillante Bild wird durch einen hervorragenden AC-3-Tonmix ergänzt, der sogar als Pro-Logic-Downmix enorm druckvoll daherkommt. Eine 23 minütige Dokumentation zum Film und sowohl der Teaser- als auch der reguläre Kino-Trailer (beide ebenfalls in sehr guter Qualität) sind enthalten und runden den guten Eindruck dieser DVD ab.
Als echtem Jeanne-Fan hat mir dieser Film viel gegeben. So, wie die Jungfrau hier dargestellt wird, ist sie keine leblose Ikone mehr, sondern endlich ein Mensch mit Ängsten und Fehlern. Luc Besson und eine hervorragende Jovovich haben ihr wieder Leben eingehaucht und sie endlich entstaubt.
Meiner Meinung nach hat Milla ihre Hausaufgaben gemacht und sich hervorragend auf diese Rolle vorbereitet. Hier ist eine Heldin zwischen Glauben und Wahnsinn, Mut und Raserei, Trauer und Freude. Die Zwiegespräche mit ihrem Gewissen sind grandios.
Das viele Anhänger des konservativen Jeanne d'Arc-Kultes diesen Film widerlich fanden, wundert mich im Übrigen kein bischen: hier ist sie nicht mehr der Inbegriff der Heiligkeit, hier hat Sie endlich die Power und die Ungezügeltheit, die sie im wahren Leben gehabt haben muss. Nachdem die Kirche sie über Jahrhunderte zu einer zahmen Charikatur ihrer selbst heruntergeredet hat und sie schließlich doch in eine typische Frauenrolle zurückgedrängt hatte - die der rührseeligen Märtyrer-Heiligen - hat sie in diesem Film endlich wieder mit allen Konventionen gebrochen.
Optisch und akustisch ein Genuss, für echte Fans der Jungfrau ein Kleinod, ist dieser Film gleichzeitig auch für hartgesottene Actionfans eine echte Granate. So macht Geschichtsunterricht wieder Spaß!
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