Martin Geck ist ein Spezialist in der Anfertigung von Bach-Biografien, er hat schon umfangreichere Werke zu diesem Thema zu Papier gebracht, hier aber liegt eine preiswerte und dennnoch angenehm inhaltsreiche Darstellung vor. Wer sich amuesieren moechte ueber Anekdoten, wie z.b. Bach sich den untalentierten Schueler Geyersbach mit dem Degen vom Leibe hielt, wie er fremde, unbekannte junge Damen zu sich auf die Orgelempore liesz oder wie er sich des Vorwurfs zu erwehren hatte, er irritiere durch verwunderliche Variationen die Gemeinde - man kommt in diesem Genre auf seine Kosten. Bach war streitbar. Nachdem man ihn wegen zu uebertrieben langer Orgelvorspiele kritisiert hatte, lieferte er frappant kurze. Der Bach-Spezialist Martin Geck liefert uns aber auch hoch ernsthafte Analysen BACHscher Arbeitsweise. Das Motto der Barock-Philosophie "ARS INVENIENDI", die Kunst des Auffindens - der Biograph stellt sie am Exempel J.S. BACH virtuos dar: als die Faehigkeit zur Ueberraschung, die ploetzlich ein einwiegendes Leit- und Leidmotiv des Basso Continuo hoch ueberfliegt; als geniale Strategie, die ein Musiker hat bei der Verteilung von Datenmengen auf eine Zeit-Strecke; als Patchwork-Methode, wenn sie Zufaelliges aneinanderreiht, wenn die Einzelfetzen aber eine Beziehung zueinander erkennen lassen; als Vorfuehrung einer gewissen Grundschnelligkeit im Variieren; als Kraft, mit welcher an Symbole geglaubt wird, ja auch als quasi vordemokratisches Vertrauen darauf, dass verschiedene Stimmen zusammen dennoch ein sehr haltbares Geruest ergeben; als die Erkenntnis der Wichtigkeit des troestend Ritornellen, Wiederkehrenden, dem entgegengesetzt ist das Ermutigende des sich autonom losloesenden Solos, stets vaeterlich getragen von einem soliden Marmorboden mathematisch-kompositorischer Grundaxiome: Martin Geck liefert auf faszinierende Weise verbindende sprachliche Verstehensmuster fuer eine ansonsten monumental allein dastehende Semantik: diejenige BACHscher Musik.