Das Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs gehört zu den unverzichtbaren Insignien der Weihnachtszeit. Kein Konzerthaus, das dieses Werk nicht im Programm hätte. Keine Kantorei, die nicht mindestens ein paar Nummern daraus zu Gehör brächte. Viel Durchschnittliches und Routiniertes erwartet darum den Liebhaber Bachscher Kantatenkunst um die Festtage. Umso erfreulicher ist nun die vorliegende Aufnahme. Wer in den letzten Jahren aufmerksam das weihnachtliche Fernsehprogramm studiert hat, kam an ihr kaum vorbei. 20 Jahre ist sie schon alt, besticht aber nach wie vor mit musikantischer Spielfreude und fulminantem Chorgesang. Der Windsbacher Knabenchor trägt das Werk mit seinem unverwechselbaren Timbre: Weich und rund im Klang und doch wendig, ausdrucksstark und sinnlich in der Stimmführung. Jedes Wort ist verständlich und erhält damit erst einen Sinn. Karl-Friedrich Beringer, der über 30 Jahre die Geschicke des Chores lenkte und am Ende dieses Jahres sein Amt aufgibt, beweist hier einmal mehr, weshalb die Knaben aus Franken zur internationalen Spitzenliga der Chorszene zählen. Unbestechlich in der Intonation, sensibel in der Tongebung und ausdrucksstark in der Ausdeutung, so präsentieren sich die Sänger, die in einem Alter von neun bis zwanzig Jahren so manchen Erwachsenenchor in den Schatten stellen. Frisch und unverbraucht wird hier ans Werk gegangen und so gerät der Choral 'Ich steh an deiner Krippen hier' zur Liebeserklärung und der Schlusschoral 'Nun seid ihr wohl gerochen' zur Offenbarung. Überhaupt legt Beringer in der Ausgestaltung der Choräle einen Schwerpunkt. Zwischen Glaubensbekenntnis und Kunstlied changieren seine Deutungen und entlocken dem Werk viele ungewohnte Seiten und Details. Die Münchner Bachsolisten sind ein treuer und kongenialer Partner, die duftig und ausdrucksvoll die bachschen Barocklandschaften zum Blühen bringen. Auch die Gesangssolisten reihen sich in die durchwegs positive Darbietung ein. Ein junger Thomas Quasthoff, eine bezaubernde Cornelia Kallisch, engelsgleich Juliane Banse und schlicht fantastisch ein junger Markus Schäfer als Evangelist. Ein Fest, dass diese Referenzaufnahme nun als DVD vorliegt.