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Johann Peter Hebel. Biographie
 
 
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Johann Peter Hebel. Biographie [Gebundene Ausgabe]

Heide Helwig
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (8. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446235086
  • ISBN-13: 978-3446235083
  • Größe und/oder Gewicht: 23,4 x 15 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Heide Helwig
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Mit den "Allemannischen Gedichten" verfasste er das badische Nationalepos, mit dem "Rheinländischen Hausfreund" machte er einen Bauernkalender zu Weltliteratur. Heide Helwig erzählt in ihrer großen Biografie die Lebensgeschichte des Dichters Johann Peter Hebel, dessen Liste der prominenten Verehrer von Goethe bis Jean Paul und von Kafka bis Canetti reicht. Gestützt auf die neueste Forschung setzt sie das Bild des subversiven Angepassten, des Poeten, Erzählers und Aufklärers zusammen. Eingebettet wird dieses Leben in das Zeitgeschehen, von der Aufklärung bis zum Biedermeier, von der Französischen Revolution über Napoleons Feldzüge bis zu den Befreiungskriegen.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dass sich in Hebels Leben der Eindruck eines geordneten Alltags trotz Kriegswirren und politischen Turbulenzen, trotz Plünderungen, Einquartierungen und der Ungewissheit über die Existenz des Landes behaupten konnte, hat wohl auch mit jener Lektüre zu tun, die Hebels tägliches Brot ist. Der Lehrer ist sein eigener Schüler, und jene philosophische Gelassenheit, die ihn davor bewahrt, zumindest in den meisten Fällen, ein politisch oder sonstwie »Aufgeregter« zu werden, ist auch das Produkt jahrzehntelanger philosophischer Schulung. Als Hebel 1824 eine beträchtliche Geldsumme durch Verschulden seines Bankiers verliert, schreibt er an Gustave Fecht: »Ich bin iezt wieder glücklich, denn ich bin wieder arm, wiewohl ich nie reich war.« Die Gedankenwelt des Stilbuchs, das Hebel für seinen Lateinunterricht erstellte und mit dem er sich selber eine literarische Quelle für seine Kalenderarbeit schuf, ist geprägt von den ethischen Vorstellungen der Stoa, der Tugendlehre Ciceros und Senecas. Ordnung und Harmonie bestimmen die Schöpfung, und eben diese Ordnung zu wahren ist eine der Hauptaufgaben, denen sich der Mensch zu stellen hat. Darum bekennt sich der Stoiker zur ganzen Welt als seinem eigentlichen Vaterland und steht »mit dem Erdkreis in Austausch«. Und er weiß und sagt es sich selber zur eigenen Kräftigung: »Die Mühen eines rechtschaffenen Bürgers sind nie ganz nutzlos. Er hilft schon dadurch, daß man ihn hört und sieht, durch seine Blicke, seine Winke, seine wortlose Widersetzlichkeit und durch seine ganze Art des Auftretens. Wie gewisse Heilkräuter, die – ohne daß man sie kostet oder berührt – schon durch ihren bloßen Geruch Heilung bewirken, so übt die Tugend ihre heilsame Wirkung auch aus der Ferne und im Verborgenen.«
Nie habe den Dichter eine »gewisse Gravität« verlassen, wie Sophie Haufe sagt, aber auch nie die Bereitschaft, einen Spaß, einen überraschenden Einfall aus dem Gleichmaß dieser Gravität herauszuschütteln. Spaß, Scherz, skurriler Einfall – das alles zielt auf die Schaffung einer zweiten Gedankenebene, von der aus wie von einem erhöhten Standpunkt ein neues Licht auf den plan dahinschreitenden Alltag und seine Sprache fällt. Ein Hauch von Anarchie dringt in die vertraute Welt und löst auf, was Sprach- und Denkroutine bis dato wie selbstverständlich zusammengefügt haben. In handschriftlichen Notizen zur Rhetorik definiert Hebel, durchaus schulgemäß, die Figuren Witz und Scharfsinn: Witz als das Vermögen, Ähnlichkeiten an verschiedenen Dingen zu bemerken, Scharfsinn hingegen als die Fertigkeit, an Ähnlichem Verschiedenheiten zu entdecken. An die Definition schließt er den schönen Hinweis, dass beide Figuren durch Phantasie belebt werden und ihre Anwendbarkeit schlichtweg »überall« haben. Selbst im Rätsel. Selbst in der Predigt. »Selbst die Bibel ist witzig.« Lapidare Erklärung: »Wer mag Unwitz und Stumpfsinn«. In dieser Hinsicht scheint Hebel, der Aufklärer und Vorfahr des Biedermeier, durchaus auch Zaungast im romantischen Denken. »Die Gesellschaft ist ein Chaos, das nur durch Witz zu bilden und in Harmonie zu bringen ist«, heißt es etwa in Friedrich Schlegels Lucinde. Und wer könnte nicht eine Verbindung sehen zwischen jenem Zaubermittel der Potenzierung, das Novalis propagiert, und der Kraft des Sprachwitzes, der unorthodoxen, dreisten Gedankensprünge, die Hebel praktiziert: »Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.« Oder, wie man für Hebel vielleicht angemessener sagen könnte: indem ich das Gemeine, Gewöhnliche, Bekannte aus seinen angestaubten geistigen Heimstätten herauslöse, den Winkel der Betrachtung um ein Geringes verändere, so schlage ich neue Funken aus altem Material. Witz, eben, der das Banale verwandelt.

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Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Noch eine Biografie aus Anlass des 250. Geburtstags des alemannisch-deutschen Dichters Johann Peter Hebel? Ja, und zwar eine außergewöhnlich gute. Die Literaturwissenschaftlerin Heide Helwig hat bisher ungedruckte Zeugnisse gesucht und gefunden. Nicht zuletzt wird es das auch gewesen sein, was sie veranlasst haben mag, Hebel - im Gegensatz zu anderen Hebel-Biografen - in erster Linie als einen Repräsentanten der Geistesgeschichte in bewegten Zeitläuften darzustellen. Und zwar in allen seinen Facetten, auch in seiner Widersprüchlichkeit.

Heide Helwig arbeitet die Lebensdaten und -stationen weniger chronologisch ab. Sie setzt Schwerpunkte, dies aus Leben und Werk explizit herausgearbeitet werden. So unter anderem "Sprachheimat und Dialektgedicht", "Natur in Gesängen und Systemen" oder "Die Wüsten des Lebens zu färben: Freundschaft, Liebe, Poesie". Johann Peter Hebel ist ihr ein ketzerischer Biedermann, ein subversiver Angepasster, ein Aufklärer und natürlich ein Poet von Rang, der sich mit seinen "Allemannischen Gedichten" und dem "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" in die Weltliteratur gechrieben hat.

Auf diese Weise gelingt es der hervorragenden Biografin - wie es der Hebel-Landsmann Martin Walser gesagt hat - "ein Dichterleben... zum Stoff für ein vielfarbiges Epochengemälde" zu machen.

Heide Helwig hat ein ausgesprochen kluges und informatives Buch geschrieben, das das Zeug hat, zum Standardwerk der Hebelforschung zu werden. Dass diese Biografie zudem noch hervorragend zu lesen ist, erhöht ihren Wert beträchtlich.
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