Noch eine Biografie aus Anlass des 250. Geburtstags des alemannisch-deutschen Dichters Johann Peter Hebel? Ja, und zwar eine außergewöhnlich gute. Die Literaturwissenschaftlerin Heide Helwig hat bisher ungedruckte Zeugnisse gesucht und gefunden. Nicht zuletzt wird es das auch gewesen sein, was sie veranlasst haben mag, Hebel - im Gegensatz zu anderen Hebel-Biografen - in erster Linie als einen Repräsentanten der Geistesgeschichte in bewegten Zeitläuften darzustellen. Und zwar in allen seinen Facetten, auch in seiner Widersprüchlichkeit.
Heide Helwig arbeitet die Lebensdaten und -stationen weniger chronologisch ab. Sie setzt Schwerpunkte, dies aus Leben und Werk explizit herausgearbeitet werden. So unter anderem "Sprachheimat und Dialektgedicht", "Natur in Gesängen und Systemen" oder "Die Wüsten des Lebens zu färben: Freundschaft, Liebe, Poesie". Johann Peter Hebel ist ihr ein ketzerischer Biedermann, ein subversiver Angepasster, ein Aufklärer und natürlich ein Poet von Rang, der sich mit seinen "Allemannischen Gedichten" und dem "Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes" in die Weltliteratur gechrieben hat.
Auf diese Weise gelingt es der hervorragenden Biografin - wie es der Hebel-Landsmann Martin Walser gesagt hat - "ein Dichterleben... zum Stoff für ein vielfarbiges Epochengemälde" zu machen.
Heide Helwig hat ein ausgesprochen kluges und informatives Buch geschrieben, das das Zeug hat, zum Standardwerk der Hebelforschung zu werden. Dass diese Biografie zudem noch hervorragend zu lesen ist, erhöht ihren Wert beträchtlich.