Aus der Amazon.de-Redaktion
Ach wie gut, dass wir nicht zu Zeiten Casanovas leben: Die "feine Küche" wäre Sache der Aristokratie und Essen hätte mehr mit Macht und Reichtum zu tun, denn mit Sinnesgenüssen, die für jedermann zugänglich sind. Allerdings könnte Genießer Casanova durchaus Pate gestanden haben beim neuen Kochbuch von Profi- und Medienkoch Lafers, jenem Meister kleiner raffinierter Details und großer Köstlichkeiten.
"Obst und Gemüse müssen knackig sein", konstatiert Lafers, und plädiert, damit das immer so ist, für die Saisonküche, schließlich gibt es zu jeder Jahrszeit leckere Gaumenfreuden. So findet sich auf knapp 130 Seiten ein umfassender Vier-Jahreszeiten-Überblick, Vivaldi im Kulinarischen sozusagen: Salat, Salat und nochmals Salat im Frühjahr, dazu viel Fisch. Leichte Gerichte und kühlende Speisen im Sommer, Kürbis-, Mais-, Wild- und Pilzgerichte im Herbst und dann noch was Deftiges gen Winter: Kohl, Blutwurst und Punsch, wenns draußen schneit und klirrt und man das mit den frischen Sachen übergangs- und ausnahmsweise nicht ganz so genau nimmt.
Ganz egal, ob Gourmet oder Gourmand, die hübsch bebilderten, gut verständlichen Rezepte und Übersichten bringen auch die letzten Speicheldrüsen auf Trab. Und angesichts der häufigen Anmerkung "geht schnell" braucht kein Magen lange zu knurren. Aber auch für Könner und auf Laferschen Spuren Wandelnde gibt es köstliche und kunstvolle Herausforderungen zwischen Kochtopf und Herd.
Zum Geheimnisträger in Sachen feiner Küche befödert, fühlt man sich durch beigefügte Tipps. Einer davon, sozusagen der rote Faden im Rezeptteil ist der Zauberstab, prädestiniert für alles, was zerkleinert, gemixt, püriert, emulgiert oder aufgeschlagen werden muss. Klare Sache: ein Muss für jede Küche.
Pfiffig sind sie, Lafers Rezepte, zu denen ihn auch "Küchen anderer Länder inspiriert haben", exotisch und deftig, süß und, es sei prophezeit, jeden Diät-Gedanken über Bord werfend. Das sei erlaubt, sind es doch keine alltäglichen Rezepte -- eher ausgefallen, nicht für die Routineküche, eher für genießerische Koch- und romantische Schlemmerstunden. --Barbara Wegmann
Autorenporträt
Johann Lafer, geb. 1957 in der Steiermark, Ausbildung zum Koch in Graz, danach Jahre in Berlin, Hamburg (bei Josef Viehauser), Wertheim-Bettingen, München (bei Eckart Witzigmann), Paris (bei Gaston Lenetre). Ab 1983 Küchenchef im Le Val d'Or in Guldental. Übernahme dieses Restaurants und Heirat mit Silvia Buchholz. 1994 Übersiedlung auf die Stromburg. Zahlreiche Kochbücher und Fernsehauftritte.