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Johann David Heinichen, heutzutage bei Insidern vor allem als Verfasser einer umfänglichen Generalbasslehre bekannt, wirkte von 1717 bis zu seinem Todesjahr 1729 in Dresden. Seine für diese CD eingespielte Messe Nr. 12 ist ein Spätwerk, das den Meister auf der vollen Höhe seiner Kompositionskunst zeigt: Die Faktur der konzertant-virtuosen Orchestermesse ist streckenweise von geradezu sensationeller Brillanz und Vielfarbigkeit. Allein die differenzierte Vertonung des "Agnus Dei" vermag vollkommen von der hohen Qualität der Komposition zu überzeugen. Überraschend ist der solistische Beginn des Sanctus, bezaubernd interpretiert von Kai Wessel. Möglichkeiten zur Entfaltung orchestraler und chorischer Pracht in unterschiedlichsten Formen bieten vor allem das Gloria und das Credo.
Eine glückliche Hand bewies der Dirigent Hans-Christoph Rademann mit der Idee, Heinichens Messe mit Bachs Magnificat zu kombinieren. Durch seine Zugkraft erfüllt das beliebte Werk den wertvollen Dienst, mit Heinichens unbekannter Messe im Schlepptau die Verkäuflichkeit der CD zu steigern -- mit vollstem Recht, wohlgemerkt; außerdem kommen Gemeinsamkeiten wie grundsätzliche Verschiedenheiten der beiden Stücke im Vergleich besonders gut zur Geltung.
Dass die oben erwähnte musikalische Tradition in Sachsen bis in die Gegenwart funktionsfähig ist, beweist die hervorragende interpretatorische Leistung dieser Aufnahme: Hans-Christoph Rademann, ehemaliger Kruzianer und längst einer der gefragtesten Chorleiter, schuf sich mit dem von ihm gegründeten Dresdner Kammerchor ein Vokalensemble, das besonders durch die jugendliche Unverbrauchtheit und den flexiblen Klang seiner Stimmen beeindruckt: Unmittelbare Begeisterung ist in jedem einzelnen Takt herauszuhören. Gemeinsam mit einem weitgehend hervorragenden Solistenensemble -- Andreas Scheibners "Quia fecit mihi magna" beispielsweise ist schlichtweg unübertrefflich -- und dem auf allerhöchstem Niveau agierenden Dresdner Kammerorchester gelang eine Einspielung, die ungetrübte Freude an barocker Musik in historischer Aufführungspraxis vermittelt und sich wohltuend von vielen lauen Produkten institutionalisierter Musikpflege unterscheidet. --Michael Wersin
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(Geschrieben von einem ehemaligen Dresdner Kreuzschueler, der seit 1963 in den USA lebt.)
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