- Broschiert: 159 Seiten
- Verlag: Dtv (Januar 1999)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3423310138
- ISBN-13: 978-3423310130
- Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,4 x 1,2 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.108.018 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
|
Er verstand sich als Universalgenie. Er war Historiker und Soziologe. Dem Radium glaubte er auf der Spur zu sein, und er weigerte sich, Marie und Pierre Curie als «denkende Chemiker» anzuerkennen. Auf seiner Visitenkarte renommierte er mit einer Medaille der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft. Er stilisierte sich aber auch zum «Sohn einer Magd». Am liebsten wäre er Jesus und Teufel in einem gewesen, einen Brief an Nietzsche unterschrieb er «Strindberg (Deus, optimus, maximus)». Er war kein Mensch fürs Alltägliche. In seinen literarischen Werken steigerte er sein eigenes Leben ins Düstere und Unheimliche. Seine Frauen schonte er nicht.
Ein für das deutsche Publikum verfasstes Porträt dieses rastlosen Mannes war schon lange überfällig. Denn noch immer sind bei uns über Strindberg mehr Gerüchte als gesicherte Informationen in Umlauf. Und noch immer leidet die deutsche Rezeption darunter, dass man seinen Namen so stereotyp wie gedankenlos in einem Zug mit jenem Henrik Ibsens nennt, wo doch Strindberg volle 21 Jahre jünger war als sein norwegischer Kollege, so dass die beiden nicht einmal Generationsgenossen waren. Selten gespielt werden denn auch Strindbergs kühne und innovative Dramen, etwa «Ein Traumspiel» (1902), das die Literatur der Moderne man denke bloss an Franz Kafka nachhaltig beeinflusste.
Rüdiger Bernhardts Strindberg-Buch bietet viel auf knappem Raum. Zu bedauern ist nur, dass der Autor mit historischen Informationen allzusehr knausert und dass das spezifisch Schwedische zu wenig zur Geltung kommt. Da verführt, um nur ein Beispiel zu nennen, in «Fräulein Julie» die Tochter des Grafen den Diener ihres Vaters. Das Abenteuer schlägt dann aber um in einen Kampf, der tödlich endet und in dem der soziale Status die Triebkraft ist. Ein Hinweis darauf, dass der Diener Jean der erste klassenbewusste Bühnenheld ist, der einer «Statare»-Familie entstammt, würde die Lektüre des Stücks erleichtern. Um so mehr, als selbst ein für Klassengegensätze sensibilisierter Übersetzer wie der Schriftsteller Peter Weiss für «statare» nichts Präziseres als das Allerweltswort «Häusler» fand. Gerade in einer Einführung, die sich an ein mit schwedischen Verhältnissen nicht vertrautes Publikum richtet, wäre zu berichten, dass die «statare» eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Mentalität verheiratete und auf Jahresbasis an einen Herrenhof engagierte Landarbeiter waren, die weitgehend in Naturalien entlöhnt wurden und mit ihren Familien unter oft miserablen hygienischen Verhältnissen lebten. (Sogar die jüngste Auflage des schwedischen Konversationslexikons kann sich einen Hinweis auf die legendären Wanzen nicht verkneifen.) Erst in der Zwischenkriegszeit, Jahrzehnte also nach «Fräulein Julie», muckten Söhne und Töchter von Landproletariern auf, setzten Autoren wie Jan Fridegård, Moa Martinson oder Eyvind Lo-Johansson die «Statare-Frage» auf die Tagesordnung, ehe dieser Typ von Arbeitsverhältnis, diese Lebensweise dann 1945 endgültig in den Orkus der Geschichte verbannt wurde.
Aldo Keel
150. Geburtstag am 22.1.1999
Tags(Was ist das?)Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte. |