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Johan August Strindberg.
 
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Johan August Strindberg. [Broschiert]

Rüdiger Bernhardt


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Neue Zürcher Zeitung

Strindberg für Anfänger

Er verstand sich als Universalgenie. Er war Historiker und Soziologe. Dem Radium glaubte er auf der Spur zu sein, und er weigerte sich, Marie und Pierre Curie als «denkende Chemiker» anzuerkennen. Auf seiner Visitenkarte renommierte er mit einer Medaille der Kaiserlich Russischen Geographischen Gesellschaft. Er stilisierte sich aber auch zum «Sohn einer Magd». Am liebsten wäre er Jesus und Teufel in einem gewesen, einen Brief an Nietzsche unterschrieb er «Strindberg (Deus, optimus, maximus)». Er war kein Mensch fürs Alltägliche. In seinen literarischen Werken steigerte er sein eigenes Leben ins Düstere und Unheimliche. Seine Frauen schonte er nicht.

Ein für das deutsche Publikum verfasstes Porträt dieses rastlosen Mannes war schon lange überfällig. Denn noch immer sind bei uns über Strindberg mehr Gerüchte als gesicherte Informationen in Umlauf. Und noch immer leidet die deutsche Rezeption darunter, dass man seinen Namen so stereotyp wie gedankenlos in einem Zug mit jenem Henrik Ibsens nennt, wo doch Strindberg volle 21 Jahre jünger war als sein norwegischer Kollege, so dass die beiden nicht einmal Generationsgenossen waren. Selten gespielt werden denn auch Strindbergs kühne und innovative Dramen, etwa «Ein Traumspiel» (1902), das die Literatur der Moderne – man denke bloss an Franz Kafka – nachhaltig beeinflusste.

Rüdiger Bernhardts Strindberg-Buch bietet viel auf knappem Raum. Zu bedauern ist nur, dass der Autor mit historischen Informationen allzusehr knausert und dass das spezifisch Schwedische zu wenig zur Geltung kommt. Da verführt, um nur ein Beispiel zu nennen, in «Fräulein Julie» die Tochter des Grafen den Diener ihres Vaters. Das Abenteuer schlägt dann aber um in einen Kampf, der tödlich endet und in dem der soziale Status die Triebkraft ist. Ein Hinweis darauf, dass der Diener Jean der erste klassenbewusste Bühnenheld ist, der einer «Statare»-Familie entstammt, würde die Lektüre des Stücks erleichtern. Um so mehr, als selbst ein für Klassengegensätze sensibilisierter Übersetzer wie der Schriftsteller Peter Weiss für «statare» nichts Präziseres als das Allerweltswort «Häusler» fand. Gerade in einer Einführung, die sich an ein mit schwedischen Verhältnissen nicht vertrautes Publikum richtet, wäre zu berichten, dass die «statare» – eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Mentalität – verheiratete und auf Jahresbasis an einen Herrenhof engagierte Landarbeiter waren, die weitgehend in Naturalien entlöhnt wurden und mit ihren Familien unter oft miserablen hygienischen Verhältnissen lebten. (Sogar die jüngste Auflage des schwedischen Konversationslexikons kann sich einen Hinweis auf die legendären Wanzen nicht verkneifen.) Erst in der Zwischenkriegszeit, Jahrzehnte also nach «Fräulein Julie», muckten Söhne und Töchter von Landproletariern auf, setzten Autoren wie Jan Fridegård, Moa Martinson oder Eyvind Lo-Johansson die «Statare-Frage» auf die Tagesordnung, ehe dieser Typ von Arbeitsverhältnis, diese Lebensweise dann 1945 endgültig in den Orkus der Geschichte verbannt wurde.

Aldo Keel

Kurzbeschreibung

Johan August Strindberg (1849 - 1912), der bedeutendste schwedische Dramatiker, zeigte schon als Kind Züge der Zerrissenheit und Düsterkeit und fühlte sich stets einsam und unverstanden. Radikale Ideen und finanzielle Not trieben ihn mehrfach ins Exil; 1883 begann er ein Wanderleben durch Europa. Er wandelte sich vom Sozialisten zum Individualisten und wendete sich schließlich einer mystisch gefärbten, katholisierenden Religiosität zu.

150. Geburtstag am 22.1.1999


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