7.März 2001: Noch immer gibt es keine Online-Rezension zu dieser CD von J.J., obwohl sie mittlerweile über ein Jahr auf dem Markt ist und als "grammy-würdig" befunden wurde. In Deutschland hagelte es in der Fachpresse größtenteils Verrisse in den unterschiedlichen, immer noch existierenden, Schützengräben: E- Musiker gegen U-Musiker; die Klassiker gegen Progressive-Rocker gegen Jazzer usw. Die "Klassiker" bezichtigten J.J. des Verrats an der musikalischen Gattung "Sinfonie" und beklagten die eben nicht orchesterorientierte Instrumentierung (stattdessen: JJ all keyboards, Steve Vai-guitar, Terence Blanchard-trumpet und mehr!) und langweilten mit Elaboraten über korrektes sinfonisches Vorgehen. (Sonatenhauptsatzform, ick hör dir trapsen!) Die poporientierten Fans fühlten sich vom Meister vergrault, warfen ihm "intellektuellen Größenwahn" vor, wollten seine genialen drei- bis vierminütigen Popsongs und Rückkehr zu guten, alten Zeit. Jenseits der Enttäuschung liegt aber dieses instrumentale Werk, und wie oft bei J.J's Musik könnte man einen reichhaltigen, letzlich langweilenden Etikettenkatalog abspulen, wollte man die Musik beschreiben. Das läse sich dann so oder so ähnlich: "... gelang ein Mix aus Progressive Rock mit ELP-Anklängen, Jazz-Fusion mit unterlegten World-Music Rhythmen , auch klassische Elemente nicht verleugnend, weil ja sogar augenzwinkernd im zweiten Satz ein Beethoven-Motiv integriert wird". (Wir kennen diese Kritiken, oder?) Langweilig, irgendwie ja alles richtig und trotzdem: Nichts ist gesagt ist über die Schönheit DER MUSIK jenseits dieser Kategorisierungsversuche. Jackson selber nähert sich in den liner-notes seinem Anliegen und seinem Sinfonieverständnis anders: Ein längeres Stück Musik habe er schreiben wollen, das eine Reise durch unterschiedliche Lebensabschnitte (Kindheit, junger Erwachsener, "Mittel"-alter und Alter) darstellt und dementsprechend von ihm gestaltet wird. Diese Musik will und kann meiner Ansicht nach gehört werden und muss es zugegebenermaßen mehrere Male (vielleicht mal ohne irgendeine Nebenbeschäftigung" wie Chatten, Faxen, Putzen, Autofahren-Liste beliebig erweiterbar), bevor ihre komplexe Schönheit und ihr abgeklärter Witz zutage treten. Doch dann ist sie plötzlich da, die zunächst vielleicht vermutete Kopflastigkeit entpuppt sich irgendwann nur als Spielfreude. Probiert's aus, wenn ihr neben J.J's brillianten Popsongs auch hier musikalische "Will Power" erleben wollt! Zum dargestellten Streit der musikalischen Lager:Vielleicht spürt ihr etwas von der Vision, die Duke Ellington formulierte und Joe Jackson schon 1982 anlässlich des "Night and Day"-Albums zitierte: "I am an optimist. From where it is, MUSIC is mostly allright, or at least in a healthy state for the future, in spite of the fact that it may sound as though it is being held in hostage". Wer weiß, vielleicht-eines Tages.........