Zum Film
"How Sweet The Sound" ist eine kompetente eindrucksvolle Biographie über eine großartige Frau deren Musik und soziales Engagement immer noch zuwenig gewürdigt wird und wurde.
Die Filmbiographie von Mary Wharton ist jedenfalls ein positiver Anfang versäumtes nachzuholen.
"How Sweet The Sound" startet mit Baezs abwechslungsreicher Kindheit, (Anfangs mit Amateurfilmaufnahmen) führt uns in die verträumten Coffehouses rund um Cambridge, begleitet ihre musikalischen Anfänge im Club 47 und ihre ersten großen Erfolge. (Newport Festival)
Auch die letztendlich unfruchtbare Verbindung mit Bob Dylan wird dokumentiert, wobei Bob Dylan (etwas zerknirscht aber mit Bewunderung für Joan Baez) selbst einige Statements beisteuert. Der Film endet mit einem Livekonzert aus dem Jahre 2008.
"How Sweet The Sound" ist aber nicht nur ein Film über Baezs Musik, sondern auch über ihr mutiges politisches Engagement (beeindruckend ihr Einsatz in Grenada Mississippi gegen die Rassentrennung gemeinsam mit Martin Luther King) in Bezug auf Diskriminierung von Minderheiten und gegen den Vietnamkrieg. Dass Joan Baez dabei durchaus Erfolge verbuchen konnte, zeigt das Interview mit Bishop Ernest Palmer aus Grenada viele Jahre später. (Bonusmaterial). Auch Václav Havel bezeichnete sie als entscheidenden Einfluss auf die samtene Revolution" in der Tschechoslowakei 1989. (Nach How Sweet The Sound" sollte man eigentlich kuriert sein von jeglichen Vorurteilen gegen Prominente welche ihren Namen für eine gute Sache einsetzen.)
Die DVD
selbst ist vorbildlich ausgestattet. Front- und Backcover sind sehr einnehmend gestaltet, außerdem ist ein achtseitiges Booklet mit großartigen Fotografien enthalten. (Joans Gesicht ist unglaublich ausdrucksvoll und facettenreich)
Das DVD-Bonusmaterial besteht vorwiegend aus Interviews und Konversationen und einem Auftritt Joan Baezs im Club 47 in Cambridge.
Unverständlicherweise gibt es keine Untertitelungen, ein Umstand der dem Verkauf im Ausland nicht gerade entgegenkommen wird, was mich gerade bei How Sweet The Sound" der (meines wissens) besten Doku über Joan Baez ziemlich nervt.
Die CD schließlich, dient der Komplettierung der DVD. Es ist keinesfalls ein "Best of Album", sondern ein Querschnitt ihrer Karriere vom Ende der fünfziger Jahre bis zu ihrem vielbeachteten 2008 erschienen Album "Day After Tomorrow." Dabei lässt sich sehr gut Joan Baezs stimmliche Entwicklung vom kristallklaren Sopran (Barbara Allen) zur würdevollen ausdrucksstarken Stimme von "Day After Tomorrow" verfolgen.
Fazit: Obwohl ich "ein Kind der Achtziger" bin (oder vielleicht gerade deswegen) hat mich der Film umgehauen. Meine Mutter (die kaum Englisch spricht) war ebenfalls beeindruckt, also nehme ich an, dass er fast zwangsläufig bei sehr VIELEN ankommen müsste, deswegen wäre (besonders für Ältere) ein Untertitelung wünschenswert. Ansonsten uneingeschränkt empfehlenswert.