Joan Baez' Album von 1963 war wiederum eine Zusammenstellung von Liveaufnahmen und wurde sinnigerweise "In Concert Part 2" betitelt. Wie der Vorgänger ein Jahr zuvor war es ein großer Erfolg und erreichte die Top Ten der USA, was ihre Ausnahmestellung nur unterstrich.
Es hatte sich in diesem Jahr einiges geändert. Sie hatte Bob Dylan kennegelernt und ließ sich von ihm beeinflussen, so wie sie seine Karriere förderte und ihm Gastauftritte bei ihren Konzerten ermöglichte. Eine solche Duettaufnahme ist zwar aus rechtlichen Gründen auf "In Concert Part 2" nicht zu finden (dafür aber auf den Newport Festival Samplern), aber sie präsentierte live ihre ersten beiden Dylan Songs ("Don't Think Twice, It's All Right" und "With GOd on Our Side"). Bei einem ihrer Collegeauftritte interpretierte sie die Bürgerrechtshymne "We Shall Overcome", die wegen der unterschiedlichen Feelings einen Bruch in die sonst vorherrschende Konzertatmosphäre der PLatte darstellt. Ihr Wechsel zum Protest erfolgte nicht radikal - das hätte auch ihr Publikum verschreckt - , daher brachte sie mit "Once I Had a Sweetheart", "Jackaroe", "Fennario" oder "Hush Little Baby" klassische Folkstücke aus ihrer Anfangszeit. Ihre Stilerweiterung schritt jedoch weiter fort. Hinzu kamen Country ("Long Black Veil"), Bossa Nova ("Manha de Carneval"), Derroll Adams großartig melancholisches "Portland Town" oder das spanische "'Nu Bello Cardillo". Zu guter Letzt stimmte sie mit dem Publikum die "Battle Hymn of the Republic" an. Das Publik war begeistert und schluckte den über 6 Minuten langen Tadel von "With God on Our Side" ohne Proteste. Ihre Stimme ist wie immer kristallklar und die rein auf Stimme und Gitarre ausgelegte Unterhaltung in keiner Phase langweilig.
Die Neuauflage von 2002 besticht erneut durch gekonntes Remastering und diesmal mit sogar fünf ausgezeichneten Bonustitel, darunter auch Dylans "Tomorrow Is a Long Time", das der Meister damals selbst noch nicht veröffentlicht hatte.