Ich habe mich für den Kauf dieser englischsprachigen Version entschieden, weil sie laut Vorwort des Autors keine 1:1-Übersetzung der deutschsprachigen Version aus 2006 ist, sondern dieser gegenüber erneut Aktualisierungen enthält.
Die äußere Aufmachung ist recht ordentlich: Schutzumschlag, stabile Seiten, schönes Bildmaterial (allerdings nicht so umfangreich wie bei Agtes
Jochen Peiper: Komandeur Panzerregiment Leibstandarte, und natürlich etliche Abdrucke von Originaldokumenten wie Beförderungsschreiben, etc.
Das Buch ist übersichtlich geschrieben. Schon im Vorwort stellt Autor Westemeier seine Absicht vor: Er möchte mit dem Mythos vom strahlenden Kriegshelden Jochen Peiper endgültig aufräumen, vor allem mit dessen Behauptung, ein "Soldat wie jeder andere" gewesen zu sein. In den sich anschließenden, chronologisch nach Lebens- und Militärabschnitten geordneten Kapiteln zeigt Westemeier auf, daß
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Peipers Familie keineswegs zu den sozialen Verlierern der Weimarer Republik gehörte; wohl um klarzumachen, daß Peiper durchaus auch jenseits der SS problemlos Karriere hätte machen können
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Peiper schon sehr früh erst in die SS und später auch in die NSDAP eintrat, also ohne Not oder Zwang
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Peiper schon als Himmlers Adjutant, also zur Planungsphase des Holocaust, nicht nur grob über NS-Verbrechen orientiert war, sondern sogar selbst Augenzeuge u.a. der Vergasung eines behinderten Menschen im Rahmen des T4-Programms wurde
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Peiper seine fanatische Weltanschauung auch angesichts persönlicher Rückschläge nicht hinterfragte: Seine beiden Brüder Horst und Hans-Hasso wurden auf unterschiedliche Weise Opfer der NS-Ideologie
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Peiper und auch seine Frau Sigurd (geb. Hinrichsen) zum inneren Zirkel Himmlers gehörten, und dass diese politischen Beziehungen auch für sein Fortkommen bei der SS eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten
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Peipers soldatisches Können in den eigenen Reihen keineswegs unumstritten war. Offene Kritik wurde aber aufgrund seiner politischen Beziehungen kaum laut.
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Peipers Wesen neben unbestrittenem Mut, Draufgängertum und Tapferkeit auch von Egozentrik und Geltungssucht geprägt war, was seine ehrgeizigen militärischen Enscheidungen beeinflusste und zu erheblichen Verlusten an Menschen und Material führte.***
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Peiper es sträflich unterließ, innerhalb seiner Einheit klarzustellen, wie mit Kriegsgefangenen zu verfahren sei und offenbar grundsätzlich nicht gegen Untergebene vorging, die sich an diesen vergriffen. Zwar ist eine eindeutige Befehlskette in Sachen "Malmédy-Massaker" nicht nachweisbar, aber Westemeier unterstellt, daß die SS-Schützen sich letztlich sicher sein konnten, daß Peiper sie für die Ermordung der gefangenen US-Amerikaner nicht belangen würde. Insofern trage Peiper eine Gesamtverantwortung für die von seiner Kampfgruppe bei Baugnez und weiteren belgischen Grenzorten begangenen Verbrechen, auch wenn er selbst gar nicht vor Ort war.
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Peiper auch nach dem Krieg der NS-Ideologie verhaftet blieb, seine Kontakte nahezu ausschließlich aus SS-Veteranen bestanden, die ihm nicht zuletzt beruflich und sozial massiv weiterhalfen. Kein Wort des Bedauerns über die Opfer der NS-Diktatur, keine Entschuldigung, kein deutliches Distanzieren von der NS-Ideologie wurde jemals hör- bzw. erkennbar.
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Peiper keineswegs als strahlender NS-Held bis zum letzten Atemzug sein Haus in Traves vom Dach aus mit Schüssen verteidigte, bis er von bösen Ex-Partisanen überwältigt, zu Tode gefoltert und bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Die Angreifer waren vermutlich angesäuselte Jugendliche, die Brandsätze auf sein Haus warfen und daß er aufgrund des Qualms bereits ohnmächtig war, bevor es endgültig mit ihm niederbrannte.
***(dies ist die Sicht des Autors, nicht meine. Als Laie in Kriegsführung möchte ich das nicht näher beurteilen.)
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Westemeier will unbedingt herausarbeiten, daß das 3. Reich ohne Menschen wie Peiper nicht möglich gewesen wäre.
Das Buch ist über weite Strecken ordentlich geschrieben und enthält umfangreiche Quellen und Nachweise. Dennoch wurde ich als Leser den Eindruck nicht los, als wolle der Autor sich von irgendetwas regelrecht "reinwaschen", indem er aber auch kein einziges positives Haar mehr an Peiper läßt.
Ganz besonders übel stieß mir eine Passage im Kapitel "Still a believer - after all these years" auf, wo Westemeier andeutet, Peiper habe in den 60er-Jahren Affairen mit Sekretärinnen und "Frauen allgemein" gehabt - und sich dabei auf nichts weiter beruft als bloße Gerüchte. Was soll das? Für mich grenzt das an Rufmord. Sehr mutig, angesichts der Tatsache, daß Peiper bereits seit 1976 tot ist und sich nicht mehr dagegen wehren kann; vor allem aber überaus taktlos gegenüber seinen Kindern und Enkelkindern! War das wirklich nötig? Ich habe dafür jedenfalls einen Punkt abgezogen.
Einen weiteren Punktabzug habe ich vorgenommen, weil ich mir mehr Details erwartet hätte über die - neben dem "Malmédy-Massaker" - in der Dachauer Anklageschrift genannten Morde an belgischen Zivilisten und weiteren US-Kriegsgefangenen in Honsfeld, Büllingen, Ligneuville, Stavelot, Cheneux, La Gleize, Stoumont, Wanne, Lutrebois, Trois Ponts und in Petit Thier. Die Opferzahlen an diesen Orten belaufen sich laut Anklageschrift auf insgesamt 111 belgische Zivilisten und auf 267 Kriegsgefangene. Das sind mehr als viermal soviel Opfer wie an der Baugnez-Kreuzung, warum nimmt der Autor dazu kaum Stellung, z.B.: Wie lauten die Namen dieser Opfer? Gab es Augenzeugen dafür? Was geben die Dachauer Prozessakten dazu her?
Es gibt leider kaum deutschsprachige Literatur dazu und das vorhandene Material stammt zumeist aus der revisionistischen Ecke, ist also mit Vorsicht zu genießen. Hier hat der Autor meines Erachtens zum dritten Mal in Folge eine echte Informationslücke verpasst, schade.
Alles in allem ein lesenswertes Buch, aber wie gesagt, das krampfhaft anmutende Bemühen des Autors, Joachim Peiper an den Pranger zu stellen, wirkt unprofessionell und hat mich persönlich streckenweise nur noch genervt.