Unserem namenlosen Helden aus Gothic 1 und 2 ist es, nachdem er die Insel endlich befriedet hat, gelungen per Schiff auf dem Kontinent Myrtana anzulanden. Aber natürlich hätten wir es hier nicht mit einem Fantasy-RPG zu tun wenn es dort friedlich zuginge, sondern allenfalls mit einer Landwirtschaftssimulation. Tatsächlich haben sich auch hier die grimmigen und äußerst rustikal veranlagten Orks breit gemacht und ihren etwas zusammenhanglosen, lethargischen Dialogen, denen man lauschen kann wenn man sich in ihrer Nähe aufhält, ist zu entnehmen, dass sie es nicht gut mit den Menschen meinen. Aber auch die Menschen wollen nicht immer nur Blümchen pflücken. Schnell hat man es sich mit manchem verscherzt. Und dann kann man nur hoffen, dass man mittlerweile genug Erfahrugspunkte, Fähigkeiten und Waffen gesammelt hat um sich seiner Haut zu erwehren.
Du spielst diesen Helden (per WASD-Tasten), der, als Vollfigur in Lara-Croft-Manier, auf dem Bildschirm vor Dir her läuft. Anfangs ist er noch ein bisschen schwächlich und hat offenbar mal wieder fast alles was er in den beiden vorangegangenen Spielen über das Kämpfen, Magie usw. gelernt hat vergessen. Aber gleich zu Beginn des Spiels hat er Gelegenheit erste Defizite wett zu machen. Deine Aufgabe ist es nun diesen wackeren Helden durch Myrtana zu lenken; Kräuter und allerlei Gegenstände zu sammeln, die Du gebrauchen oder verkaufen kannst; Tiere zu erlegen von denen Du Dich ernähren, mit deren Fleisch und Fell Du aber auch Handel treiben kannst; Angreifer zu besiegen oder selbst anzugreifen und Aufgaben zu lösen die Dir von Reisebekanntschaften gestellt werden. Jede Deiner Handlungen kann ungeahnte Konsequenzen haben und den Spielablauf beeinflussen, so dass man niemals zweimal das gleiche Spiel spielt wenn man Gothic spielt. Und Du hast Gelegenheit Dich zu entscheiden wer Du sein möchtest. Möchtest Du ein königstreuer Rebell sein, ein Ork-Söldner, ein Magier oder Druide, oder vielleicht ein Assassine? Dementsprechend hast Du Dich dann zu verhalten wenn Du es Dir nicht mit Deinen Gesinnungsgenossen verscherzen willst. Und natürlich richtest Du dann Deinen Werdegang darauf aus die entsprechenden Fähigkeiten zu erlernen und die entsprechende Ausrüstung zu bekommen.
Gothic 3 bietet eine noch viel größere Spielwelt als seine beiden Vorgänger und dementsprechend eine Spieldauer die die aller mir bekannten Spiele bei weitem übertrifft. Allerdings begegnet man auf der Reise immer wieder den gleichen Tieren und Monstern und hört immer wieder die gleichen Unterhaltungen (wenn auch abwechslungsreicher als etwa bei Oblivion). Die Aufgaben sind oft ein bisschen einfältig und mich persönlich stören auch die genretypischen oft unnötig ausführlichen Dialoge in Textform mit denen man unter anderem entscheidet ob man Aufträge annimmt oder nicht. Hin und wieder wird das Spiel dadurch unnötig in die Länge gezogen, dass man den gleichen Weg zurück geschickt wird, den man gerade gekommen ist. Und auch die Schätze, die man hier und da in Truhen und Höhlen finden kann, finde ich etwas monoton. Obendrein stehen sie oft nicht im Verhältnis zu dem Aufwand und Risiko, dass man dafür aufbieten musste. Manche Möglichkeit wurde hier verschenkt. Etwas schade finde ich auch, dass unser Held nicht mehr tauchen kann wie in Gothic 2.
Grandios ist allerdings die bereits erwähnte Weite der Spielwelt, die wirklich sehr weitläufig ist und sich über verschiedene Landschaftsformen und drei Klimazonen erstreckt. Häufige Wetterumschwünge und der Wechsel zwischen Tag und Nacht inklusive. Allerlei Mythen wurden gefleddert und ziemlich wild zusammengewürfelt um diese Welt mit Fantasiewesen zu füllen, die einem das Leben schwer machen. So bekommt man hier durchaus eine ganze Menge für sein Geld.
Allerdings, das soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, hatte man sich hier offenbar in puncto Komplexität des Spiels ein wenig sehr weit aus dem Fenster gelehnt, denn anfangs war das Spiel noch dermaßen voller Bugs, dass es für viele kaum spielbar war und mehr Frust als Spaß verursachte. Erst im Laufe der Jahre haben einige eifrige Fans der Game-Saga Patches gezimmert die die gravierendsten Mängel ausmerzten. Auch heute ist es noch nicht fehlerfrei und hakt oft etwas. Etwas irritiert musste ich auch feststellen, dass mein Versuch Myrtana ratzeputz von Orks zu befreien zum Scheitern verurteilt war, da einige von ihnen immer wieder auferstehen. Und an einigen Stellen stürzt das Spiel schon mal ab. Das ohnehin zu empfehlende regelmäßige Speichern des Spielstandes ist daher umso wichtiger. Ab dem Community-Patch 1.73 funktionierte das Spiel bei mir dann endlich in akzeptabler Weise. Und man sollte bei der Installation unbedingt darauf achten, dass das Basis-Spiel und die Erweiterung >Götterdämmerung< in zwei separate Ordner installiert werden, wenn man letzteres denn auch installiert.
Zu erwähnen wäre noch der sehr schöne, stimmungsvolle orchestrale Soundtrack, der sich allerdings mitunter ein bisschen zu oft wiederholt und manchmal allzu abrupt abbricht. Aber das ist allenfalls ein kleiner Wermutstropfen.
Unterm Strich halte ich Gothic 3 für ein durchaus unterhaltsames und empfehlenswertes Spiel, das sehr viele Stunden Spielspaß verspricht. Wer allerdings schon die beiden Vorgänger, wohlmöglich mit Erweiterungen und Mods, gespielt hat, wird Neuerungen vermissen. Wären nicht die erwähnten Probleme durch die unzureichende Programmierung gewesen, hätte ich ihm aber trotzdem die volle Punktzahl zugestanden. So aber bleiben vier Sterne mit einem gedachten Pfeil nach oben.
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>Götterdämmerung<
Anders verhält es sich leider mit der Erweiterung >Götterdämmerung< die im Paket enthalten ist. Im Gegensatz zur Gothic-2-Erweiterung >Die Nacht des Raben< handelt es sich hier nicht um eine Erweiterung des Basisspiels, die diesem quasi eingepflanzt wird, sondern um eine separate zusätzliche Episode die nur in der zentralen Welt von Myrtana, ohne Wüste und Nordmar, angesiedelt ist. Anfangs ließ sich auch diese Erweiterung auf meinem Rechner nicht starten. Mit dem Patch v1.0.4 gelang es dann endlich. Allerdings ist das Spiel auch damit noch nicht zufriedenstellend.
Ich habe es nun schon einige Stunden gespielt und musste etliche Mängel feststellen. Zunächst nervt die alles andere als flüssige Performance. Auch ist meinem Avatar bislang noch niemand begegnet, der ihn hätte ausbilden können, außer ein paar Alchimisten und Magiern. Auch die Dialoge sind noch nerviger und langweiliger als sonst und wechseln mitunter mittendrin die Sprechstimme oder verstummen ganz. Das Bogenschießen klappt ebenfalls nicht mehr so gut, vor allem weil sich jedes Mal ein penetranter Grafikfehler in's Blickfeld drängt, der einem großenteils die Sicht raubt (mit einem Druck auf die Vorwärts-Taste lässt er sich jedoch beseitigen). Dabei ist der kleine Pfeil zum Zielen ohnehin schon schwer zu erkennen. Das Spiel stürzt zudem relativ oft ab.
Was mich aber letztlich zum Aufgeben bewogen hat war eine unheimliche Begegnung in der Nähe von Trelis, wo ich hören konnte, dass wohl ein paar Menschen gegen Wölfe, Scavenger, Keiler und Goblins kämpften. Sehen konnte ich diese Menschen nicht, wurde allerdings von einem zweimal erschlagen. Im dritten Anlauf blieb ich dann zwar siegreich indem ich hartnäckig in's Nichts knüppelte, jedoch war ich da schon so genervt (zumal diese Unsichtbaren nach kurzer Zeit wieder auferstehen), dass ich aufgehört und das Spiel deinstalliert habe.
Kurzum: die >Götterdämmerung< ist nicht zu empfehlen. Vielleicht gewinnt sie durch Patches und Mods an Reiz, die es bereits gibt oder die noch kommen mögen. Mein Bedarf an diesem Spiel ist momentan aber gedeckt. Für diese Erweiterung gebe ich zwei Sterne mit einem gedachten Pfeil nach unten.