da haben wir also ein dynamisches trio: gonzales, die lebende discorauschkugel; sam sparro, der spross einer besoffenen affäre von prince und jamiroquai; und lidell.
während die anderen durch die siebziger, achtziger und neunziger jahre zappeln und taumeln, steckt lidell ganz tief in den sechziger jahren. er ist also - wenn wir jetzt ausnahmsweise kurz das koordinatensystem des neo-soul und neo-disco auf die tafel zeichnen, weit eher die männliche duffy als die männliche winehouse. wurscht, natürlich.
was lidell hier macht, ist genau das, was einmal r & b hieß, bevor dieser begriff entführt, umoperiert und zur genrebezeichnung für die familie jay-z/beyonce wurde: also rhythmisch verschärft aufgefassten, gerne richtung geschlechtsverkehr und dessen anbahnung gedeuteten blues, aber immer eleganter, tanzbarer und schwüler als rock 'n' roll. hier gibt es die hochgradig erregten schmachtballaden, die man von den temptations kennt, die spitzen schreie eines little richard, der dampfende trieb-soul eines marvin gaye, ein bisschen hendrix-blues (ein ganz kleines bisschen), die musikalische cleverness von sly stone, aber auch ganz stark den poppigen easy-listening-charme des kleinen stevie wonder oder der jackson 5. da gibts dann aufpolierte tralala-melodien und dazu das ganz in den vordergrund gemischte verhallte tamburin aus dem abstellraum von phil spector.
gegen ende des albums traut sich lidell aus den sixties heraus, entdeckt die siebziger in der person james browns, die achtziger von prince und die neunziger jamiroquais.
er wolle seine vorbilder nicht verbergen, sagt lidell im interview. sehr anständig und auch fürs ohr erfreulich, denn es sind große und gute vorbilder.
ein kleiner, ganz winziger einwand und ein wunsch fürs nächste mal: er könnte auch sich selbst ein bisschen weniger verbergen und wirklich "typisch" werden. aber: das ist schon sehr super gemacht, das hier.
übrigens: arg, dass all die erwähnten menschen, die so viel schwarze musik machen, weiß sind wie die oberschenkel eines radrennfahrers ...