Nun ist sie also auf dem Markt, Jim Murray's neue Whisky Bibel (WB). Der Umfang ist gegenüber der vorherigen Ausgabe gleich geblieben. Etwas 4.500 Whiskys wurden verkostet und bewertet, davon 1.200 Neuzugänge. Die Reichweite erstreckt sich dabei von günstigen Blends für weniger als 10 Euro bis zu extrem raren Single Malts im locker fünfstelligen Euro-Bereich. Die mit der letztjährigen Ausgabe vorgegebene Richtung der Gestaltung des Schutzumschlages wird fortgesetzt. Über das Design lässt sich trefflich streiten, immerhin wurde für die 2011'er WB später ein Schutzumschlag im "alten" Design nachgeschoben. Gleiches wird wohl auch für diese Ausgabe gelten.
Nach der üblichen Einführung, einem Rückblick auf das abgelaufene Whiskyjahr und den von Jim Murray preisgekrönten Whiskys folgen dann die Verkostungsnotizen für Whiskys aus Schottland (Single Malts, Blended Malts, Grain und Blends), Irland, den USA, Kanada, Japan, Europa und dem Rest der Welt. Aufgrund der inzwischen riesigen Anzahl von Abfüllungen, die jedes Jahr auf dem Markt kommen, ist es selbst einem Jim Murray nicht möglich, alle zu verkosten. Diesen Anspruch erhebt die WB allerdings auch nicht. Die Auswahl der in der WB aufgeführten Whiskys ist daher immer nur Ausschnitt der am Markt erhältlichen Abfüllungen.
Über das genutzte Bewertungssystem (jeweils max. 25 Punkte für Geruch, Geschmack, Abgang und Balance) kann man lange diskutieren, gleiches gilt für die jeweilige Beschreibung der einzelnen Whiskys. Der Textumfang (Englisch) kann manchmal nur ein einziges Wort umfassen, gelegentlich aber auch fast eine halbe Seite betragen. Der gute Jim schreibt wirklich brutale Notizen. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen und einige Whiskys werden knallhart verrissen. Seine Ausführungen sind aber oft absolut lesenswert und sehr unterhaltsam, sein englischen Humor scheint immer wieder durch. Geschmack ist immer eine sehr subjektive Sache und sicherlich wird nicht jeder Leser Jim's Ausführungen zustimmen. Das ist aber völlig okay und auch vom Autor der WB so gewollt. Die eigenen Geschmacksknospen werden im einen oder anderen Fall zu einer völlig unterschiedlichen Bewertung des Whiskys kommen.
Die geschmackliche Beschreibung der Whiskys stellt aus meiner Sicht einen wohltuenden Gegenentwurf zu den Verkostungsnotizen der Brennereien/Abfüller dar. Von denen wird niemand sein eigenes Produkt in einem ungünstigen Licht darstellen. Die WB setzt immer noch den Maßstab, was die Anzahl der beschriebenen Whiskys sowie den Umfang der Notizen betrifft. Es gibt auf dem Markt schlichtweg nichts vergleichbares.
Das gewählte Buchformat ist hervorragend für die Jackentasche geeignet, so das man die WB ohne Probleme auf einer Messe oder beim gut sortierten Whisky-Händler gleich zur Hand hat. So kann man auf die Schnelle ermitteln, ob die ins Auge gefasste Flasche einen Gaumengenuss beinhaltet oder doch nur Brennspiritus dargestellt. Für Whisky-Liebhaber ist die WB weiterhin eine unverzichtbare Pflichtlektüre, die angemessen eingepreist ist. Ein Muss für das heimische Bücherregal.