„James Bond meets Monty Python“ – mit diesem geradezu plumpen, in Großbuchstaben abgedruckten Spruch wirbt der Verlag auf dem Klappentext für „Jhereg“, den ersten Band der Roman-Reihe um Auftragskiller Vlad Taltos. Ärgerlich obendrein, dass dieser Werbetext nicht nur völlig unpassend erscheint – es handelt sich schließlich um Fantasy –, sondern er das vorliegende Buch auch in keinster Weise, nicht einmal annähernd, zu umschreiben vermag. Denn mit seiner „Vlad Taltos“-Reihe hat der amerikanische Autor Steven Brust, der – wie man den Namen seiner Protagonisten auch anmerkt – von ungarischen Vorfahren abstammt, eine völlig neue Richtung der Fantasy entworfen, die man nur schwerlich mit irgendeinem anderen Werk der fantastischen Literatur vergleichen kann.
Einerseits sehr ernsthaft, andererseits auch gewitzt und scharfsinnig entführt der Autor seinen Leser dabei in eine glaubwürdig geschilderte Welt, die sich mit vertrauten Problemen wie Korruption, Machtgier und Rassenkonflikten auseinandersetzen muss, dabei jedoch auch viele Elemente der Fantasy wie Zauberei, Hexerei und magische Waffen mit einbezieht. So entsteht Wort für Wort ein komplexes Bild vor den Augen des Lesers, das gleichzeitig greifbar und unnahbar scheint und somit eine große Faszination ausübt. Und obwohl sich Steven Brust nicht sparsam des Sarkasmus und der Ironie bedient, um seine vergnüglich-intelligente Handlung aufzulockern, verliert das Buch nichts an Ernsthaftigkeit. Die vom Autor beschriebene Welt wirkt jedoch so komplex, dass sich der Leser vor allem während des Prologs angesichts der verworrenen Strukturen der verschiedenen Häuser noch ein wenig verlassen fühlt und sich nach einigen Seiten fragt, worauf Steven Brust eigentlich hinaus möchte. Dieses Gefühl legt sich glücklicherweise jedoch recht schnell und es stellt sich ein flüssiger, kurzweiliger Lesefluss ein, der nur selten durch Längen unterbrochen wird.
Erzählt wird die gesamte Geschichte aus Sicht der Hauptperson Vlad Taltos, mit welcher Steven Brust einen sehr sympathischen Antihelden erschaffen hat. Auch die übrigen Charaktere – so auch den Jhereg Loiosh und Vlad Taltos’ Partner Kragar – beschreibt der Autor bis auf wenige Ausnahmen sehr lebhaft und glaubwürdig und entwickelt mit diesen eine durchdachte, ideenreiche Handlung, während der vor allem Vlad Taltos immer wieder überrascht, indem er intelligenterweise zuerst denkt und dann – sollte es dennoch nötig sein – kämpft. Während sich bereits der Handlungsstrang durch spannende Wendungen auszeichnet, weiß auch das Ende des in sich abgeschlossenen Bandes durch eine rasante wie auch scharfsinnige Auflösung zu überzeugen.
Das Buch – welches zu Beginn auch eine Liste zur Aussprache der Namen und Orte enthält – präsentiert sich in einer stabilen Breitklappenbroschur, die durch ein ungewöhnlich gestaltetes Covermotiv auf sich aufmerksam macht. Trotz dieser überzeugenden Aufmachung stellt sich die Frage, ob ein Preis von stolzen 15€ für dieses dreihundertseitige, sehr kurzweilige Lesevergnügen gerechtfertigt ist.
Fazit:
„Jhereg“ stellt den Auftakt zu Steven Brusts erfolgreicher Roman-Reihe um den Auftragskiller Vlad Taltos dar. Während die vom Autor beschriebene Welt anfangs noch etwas verwirrend erscheint, findet sich der Leser schon bald in ihr zurecht und folgt gefesselt der vergnüglichen, amüsanten, aber auch sehr spannenden Geschichte, die vom Antihelden selbst in der ersten Person erzählt wird.