Das Tolle an Micachu ist, dass sie es tunlichst vermeidet, in irgendeiner Weise gefällig zu wirken und mit dem Konsenspop-Geschmack anzubandeln. Ihre Musik wirkt immer eine Spur daneben, es knuckert und quietscht, und die Töne sitzen absichtlich schief oder sind verzerrt. Und doch ist alles an dem Platz, wo es hingehört, und der Albumtitel weist, unbeabsichtigt oder nicht, die Richtung: hier geht es um Edelsteine. Doch nicht die perfekt geschliffenen in der Auslage von Tiffany's oder Wempe sind gemeint: roh und ungeschliffen zeigen sich diese Diamanten. Und haben trotzdem (und in diesem Falle gerade deshalb) ihren Wert. Micachu ist frech und respektlos und trotzdem hinreichend fragil, um glaubwürdig und authentisch zu wirken. Auch wenn der direkte musikalische Vergleich natürlich hinkt: mich erinnert Micachu am ehesten an Clap Your Hands Say Yeah - auch die zersägen ihre Melodien, um nicht auf den ersten Blick zu enthüllen, dass sie geniale Musik machen können. Kurz und schmerzvoll werden auch hier die Songs hingerotzt. Bei Micachu freilich geht man modernere Wege: viel mehr Keyboard, und auch HipHop zeigt seine Einflüsse. Deshalb ist es für mich überraschend, dass das Ein-Frau-Projekt (noch ne Überraschung, aber warum eigentlich?) aus England kommt, ich hätte es eher in Amerika verortet. Umso besser: endlich eine, die die Musik von der Insel rettet. Bis jetzt meine "Platte des Jahres"!!!