Rezension
Punk Rock & Roll
Die Vermengung von Punk Rock und klassischem Rock & Roll ist in den letzten Jahren unter so vielen Begriffen zusammengefasst worden, dass die Klischees und Schubladen mittlerweile wieder dermaßen ausgelatscht sind, dass sich die Szene auf kurz oder lang von selber gesund geschrumpft hat. Das mag in der Draufsicht frustrierend sein, eröffnet den wirklich interessanten Vertretern der Sparte Schweinerock & Co. jedoch eine weitere Möglichkeit, die Masse hinter sich und die Klasse zählen zu lassen. "Jetzt geht's los", der neue Longplayer der frechen Deutschländer ist die Krönung des bisherigen Entwicklungsvorgangs und eines der stärksten und lässigsten Alben in vielen Monaten - und dabei könnte man kritisch anmerken, dass es oft genug mit Klischees aufgefüllt wird, um den rauen Charme der manchmal doch recht lockeren Noten beizubehalten.
BETTIE FORD stechen bei ihrem Ansinnen, den frechsten Sound des Jahres zu kreieren, vor allem gesangstechnisch hervor. Frontmann Don Ford trällert mal wieder in einer Kick-Elvis-Ass-Manier King-like eine fröhliche Melodie nach der nächsten, verlässt hierbei den Pfad der Räudigkeit lediglich in den nicht ganz so flotten Nummern, bewahrt die Band aber alleine schon durch seine einzigartige Stimme vor dem Fall in die Mangel-Individualität, die BETTIE FORD auch auf ihrem neuen Silberling nicht fürchten müssen. "Jetzt geht's los" pendelt dazu viel zu überzeugend zwischen klassischen Vollgas-Nummern, melodischen Midtempo-Schunklern, leicht verdaulicher High-Energy-Kost und entwaffnend scharfen Punk-Rock-Geschossen, die ihre Überzeugungsarbeit nicht nur durch das Rhythmuspedal schöpfen. Abwechslung ist nach wie vor eine der größten Stärken der vier Kölner, das Songwriting auf "Jetzt geht's los" ein weiteres Indiz für die bisher nicht so recht gerühmte Klasse des Quartetts. Das Einzige, was der Band nämlich jetzt noch fehlt, ist ein entscheidender Schritt auf der Wahrnehmungs- und damit auch auf der Erfolgsleiter. Wer allerdings glaubt, dass BETTIE FORD nach dem Release ihrer neuen Scheibe davon noch weit entfernt sind, ist entweder ein unverbesserlicher Pessimist oder Gottes rechte Hand bei der Steuerung der Prioritäten im Musik-Business. Beides wäre jedoch doof, denn diese Band hat den Durchbruch mehr als verdient.
Anspieltipps: Silver Lining, Heroes, Get It!, Can't Let Go
Note: 9.0 / 10
(Björn Backes, 19.11.2010 (powermetal.de))
Inklusive der Debüt-EP von 1999 hauen die Kölner nunmehr ihr viertes Album raus. Und siegesgewiss heißt der Titel für alle, die bisher noch nix von dem Quartett mit dem Mädchennamen gehört haben "Jetzt geht s los!". Die Legende sagt, dass man sich anno dazumal während eines Konzerts von Guitar Wolf kennen gelernt und die Bandgründung beschlossen hat. Inzwischen mussten zwar einige Besetzungswechsel verkraftet werden, doch Don Ford hat mit Vocals und Leadgitarre immer noch die Zügel in die Hand und treibt das Ross vorwärts. Punkrock heißt die Devise und doch gibt es durchaus melodische, ja nahezu hymnische Tendenzen. Seit dem ersten echten Album "League Of Fools" ist viel Zeit vergangen. Hunderte von Konzerten wurden gespielt und befreundete Koryphäen wie The Bones, Ace Frehley und The Boss Hoss supportet. Der Live-Status, den sich die Band damit erspielt hat, soll nun per motivierendem Imperativ zementiert werden. Das Album startet mit "Sucker For Love" partymäßig und rotzfrech. In dieser Manier geht s weiter: dreckig, hart, straight und stetig vorwärts treibend. Da erklingen Ohrwürmer wie "Control" und "Tear It Down" oder es wird für eine kleine Atempause ruhiger ("Heroes"). Alles in allem dominiert jedoch der bewährte Rotzrock, der schon Bands wie Danko Jones und Psychopunch groß gemacht hat. Gaspedal durchtreten und mit dem epischen "Silver Lining" siegessicher in die Zielgerade. Das rockt!
Punkte: 7/9
(Andreas Weist - musicheadquarter.de)
Kurzbeschreibung
Egal ob vor drei, 300 oder 3000 Leuten, die Band liebt es auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, was das Publikum jedes Mal auf ein Neues mitreißt und es den Jungs mit Zugaberufen und begeisterndem Applaus dankt. Diese Leidenschaft führt auch dazu, dass sich Bettie Ford im Laufe der letzten Jahre eine nicht unbeträchtliche und sich ständig erweiternde Fangemeinde erspielt und angetrunken haben, wobei sie jedoch immer bodenständig geblieben sind. Am 19.11.2010 wird mit Jetzt geht's los der dritte Longplayer des Quartetts via "Alive" veröffentlicht werden. Der deutsche (und wie fast alles bei Bettie Ford mit einer gehörigen Portion Ironie versehende) Albumtitel lässt erahnen, wo die Reise der Jungs hingehen soll - und nach dem Hören der insgesamt 15 Songs sollte daran auch absolut kein Zweifel mehr - jetzt geht's verdammt noch mal wirklich los. Das Album vereint gekonnt die raue Rotzigkeit von Erstling "League Of Fools" und die Ohrwurmqualiäten vom 2008er Album "Singapore Sling", die gemeinsam auf neue musikalische Einflüsse und Parts treffen - weit weg vom Punk oder Rotzrock Klischee. "Jetzt geht's los" ist ein lupenreines Rockalbum, mit großem "R". Dafür sorgt nicht zuletzt der Sound von Produzent Guido Lucas (Scumbucket, Genepool), in dessen BluBox Studio das Album in der ersten Hälfte des Jahres 2010 aufgenommen und produziert wurde.