Zunächst mal vorweg: Es ist endlich das, worauf soviele Fans gehofft haben. Es ist ein vollständiges Konzert, welches nicht von Interwiews oder ähnlichem unterbrochen wird. Gut, da es in der Montreux-Reihe veröffentlicht wird, gibt's dann mal gar keine Extras, das möchte ich denn auch Jethro Tull nicht anlasten. Der Montreux-Abend ist in zwei Abschnitte unterteilt. Teil 1 geht bis Song Nr. 11 und bietet einen Querschnitt einer Menge akustischer Sachen, viele Instrumentals - für meinen Geschmack vielleicht das eine oder andere Stück intrumentaler Natur zu viel - und eingestreut doch das eine oder andere rockige Stück. Insbesondere Hunting Girl ist sehr gelungen. Ein grandioser Anspieltipp ist auch with you there to help me. Teil 2 beginnt mit Song 12 und es folgt nur noch Highlight auf Highlight. Living in the Past ist wieder mal leicht anders arrangiert durch einen stärkeren Einsatz von Martin's E-Gitarre. Nothing is Easy wird seit Jahren so gespielt wie hier. Schön finde ich, dass er mit Beside myself auch mal ein ernsteres Stück vom Roots to Branches-Album in die Setlist genommen hat. My God wartet vorher mit dem Flying Dutchman-Intro auf. Budapest wird in der bekannten Liveversion gespielt, die von der Albumversion insofern abweicht, dass ein Mittelteil herausgenommen wurde und dafür ein Outro mit Flöte gespielt wird. Die Höhepunkte eine Jethro Tull Konzertes sind seit jeher Aqualung und Locomotive Breath, hier mit dem Protect and Survive-Schnipsel, wo Ian die Balloons ins Publikum wirft und Cheerio am Ende zum Abschied. Wie eingangs erwähnt, es ist die Aufnahme eines einzigen Abends, da ist vielleicht der eine oder andere Song mal leidenschaftlicher gespielt als der andere. Aber man muss schon sagen, die Band war hier in Hochform, aus musikalischer Sicht. Ein Bühnenfeuerwerk reißen sie seit Broadswordzeiten nicht mehr ab. Das haben Musiker in fortgeschrittenem Alter auch gar nicht mehr nötig. Und ein Wort zu Ians Stimme. Er kommt an seine besten Zeiten nicht mehr heran. Ich hatte Mitte der 90er aber das Gefühl, dass es eigentlich nicht mehr weiter geht, da war sein Gesang so dünn und brüchig, dass ich ein nahes Ende der Karriere schon vor mir sah. Diese Zeiten scheint er aber überwunden zu haben. Seine Stimme ist recht kraftvoll und was ich in diesem Zusammenhang immer schon gut gefunden habe, Ian Anderson versucht keine technischen Tricks, um dem Publikum seine besten Gesangslinien aus Songs from the Wood oder anderen Zeiten vorzugaukeln. Er bietet ehrliche Musik ohne Schnörkel. Mit dem 5.1. Sound bin ich übrigens sehr zufrieden. Zum Schluss noch ein kleiner Unterschied zur CD: Die DVD hat alles drauf, vor allen Dingen auch die humorigen Songansagen oder ganz einfach überhaupt die Kommunikation mit dem Publikum.