Die Beiträge in dieser Broschüre sind weder Rezensionen, die Ihnen die Leseentscheidung erleichtern, noch sind Sie für das
Verstehen des Jesus-Buches besonders hilfreich. Das soll und kann diese Broschüre auch nicht leisten. Sie enthält einfach
nur Meinungen, nicht mehr und nicht weniger.
Wenn Sie ernsthaft an der Wahrheit über Jesus und die damit zusammenhängenden Fragestellungen interessiert sind, dann
sollten Sie das Jesus-Buch möglichst unbefangen, also vor den Kritiken lesen. Danach können Sie entscheiden, ob Sie auch
die Kritiker hören oder einfach nur mal im Forum stöbern wollen.
Der Klappentext des päpstlichen Buches enthält alle hinreichenden Informationen für Ihre Leseentscheidung.
Wenn Sie umgekehrt vorgehen und zuerst die Kritiken lesen, besteht die Gefahr, dass Sie sich im Interpretations-Irrgarten der
Gelehrten verlaufen. Sie wissen ja, so viele Gelehrte wie es gibt, so viele Meinungen gibt es auch. Im ungünstigsten Fall
beginnen Sie mit der Lektüre der Beiträge dieser Broschüre wie mit Ihrer Tageszeitung von hinten, stolpern zuerst über den
Beitrag von Professor Hans Albert und legen danach sowohl diese Broschüre als auch das Jesus-Buch beiseite. Das wäre
schade ' vor allem wegen Letzterem.
Sie können mit dem Lesen meines Beitrages an dieser Stelle enden, das Wesentliche ist gesagt.
***************************************************************************************************************************************************************************
Zum o. g. Beitrag von Professor Hans Albert:
Beim Lesen seines Beitrages habe mich gefragt, woher rührt diese enorme Bissigkeit des Kritikers, wo er doch, wie er selber
betont, den Arbeiten Ratzingers zu keiner Zeit 'besondere Beachtung' schenkte? Und warum wendet er sich ausgerechnet
an alle diejenigen, die sich nur auf 'seine (des Papstes) medienwirksamen Auftritte stützen', sich aber 'kaum die Mühe
machen werden, die theologischen Arbeiten Ratzingers zur Kenntnis zu nehmen'? Was soll das bewirken? Alle reden mit,
aber keiner weiß worüber?
A. beginnt mit der Beleuchtung der 'dunklen Seiten seiner (des Papstes) Religion der Liebe' und nennt als ersten Punkt
die Nicht-Bewältigung des Theodizeeproblems. Dabei erweckt der Kritiker den Eindruck, dass R. dieses Problem unter den
Teppich kehrt. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall, ich hatte bei Texten Ratzingers bisher immer den Eindruck, dass erst
einmal alle (auch die unbequemen) Fragen (in wissenschaftlicher Manier) zugelassen sind und von ihm gestellt werden,
auch auf die Gefahr hin, keine erschöpfenden Antworten zu finden.
Dass nur derjenige befugt über den Sinn des Lebens befinden darf, der das Theodizee-Problem einer Lösung zugeführt hat,
halte ich für eine nicht schlüssig begründbare Forderung. Auf dieser Grundlage sollte man niemandem das Wort
entziehen wollen.
Kritisiert wird des Weiteren der Glaubensentscheid, den Ratzinger für das Verstehen seines Buches empfiehlt.
Wo ist das Problem? Sie können Ihre Entscheidung jederzeit revidieren. Bedingungen und Annahmen zu treffen, steht doch
nicht im Gegensatz zu einer wissenschaftlichen Arbeitsweise. Wichtig ist doch nur, dass Sie Ihre Entscheidung
freiheitlich treffen. Mit einer Freiheit, die den Glauben an Gott zulässt aber auch den Glauben an seine Nichtexistenz.
Auch den Vorwurf des 'Hochmuts des Theologen' konnte ich bisher in keinem seiner Texte feststellen. Im Gegenteil,
der Gelehrte R. tritt im Unterschied zu vielen anderen aus dem Elfenbeinturm heraus und schafft es in einer sehr eingängigen,
schönen und logischen Sprache auch komplizierte Sachverhalte zu erklären, was 'ihm nicht selten wie einem Dichter und
Schriftsteller gelingt' /Einführung Kardinal Lehmann/. Nicht selten kann ein Schriftsteller vielmehr über die Wahrheit
aussagen, als viele wissenschaftliche Arbeiten es vermögen.
Zum Punkt 'Küngsche Ethik': Selbstverständlich sind einheitliche moralische Regeln eine erstrebenswerte Grundlage für
die Völkerverständigung. Dies scheint schon immer ein Gebot zu sein, eben weil wir alle (der Theist wie der Atheist)
mit Schuld beladen sind. Ich glaube aber nicht, dass damit ausgesagt ist, dass sich der Mensch den Lebenssinn selber
verordnen kann. Das sind zwei Paar Schuhe. Weil mit einer solchen Verlagerung des Lebenssinns in den Bereich
des Machbaren die Nichtmachbarkeit und damit die Sinnlosigkeit des Lebens mit eingeschlossen ist. Auf der Suche nach
dem Sinn des Lebens befragt der Christ die Bibel, so wie der Materialist die wissenschaftliche Welt befragt. Im Gegensatz
zur Bibel antwortet die wissenschaftliche Welt nicht auf diese Frage.
Zum Vorwurf der 'Einschränkung des Vernunftgebrauchs': Diesen kann ich ebenfalls nicht bestätigen. Im Gegenteil,
ich glaube in seinen Texten sogar eine Zweiteilung der Frage herausgelesen zu haben:
1. Ist es (aussagenlogisch) überhaupt zulässig (aufrichtig) zu glauben ? und
2. Wenn ja, ist es auch vernünftig?
Beide Fragen sollte man guten Gewissens mit Ja beantworten können, um nicht als abergläubig zu gelten.
Wer Schriften von R. etwas näher kennt, weiß um seine Skepsis gegenüber der historisch-kritischen Methode.
Ich glaube aber, es ist gar nicht so sehr die Skepsis gegenüber der Methode, sondern gegenüber der Verabsolutierung
ihrer Ergebnisse. Was soll so falsch daran sein, mit mehreren Methoden, allumfassender (eben katholisch) auf das
Thema Gott zu schauen? Die Vielfalt ist doch allemal besser als die Einfalt.
Was mich an dieser Kritik stört ist ihr unterstellender, respektloser Stil. Ich zitiere: '... inzwischen hat sogar sein alter
Widersacher Hans Küng eingesehen.', 'Wer sich nicht zu seiner (des Papstes) Sichtweise durchringen kann, ist ..., moralisch
benachteiligt, oder besser noch unterbelichtet.'.
Die Kritik von A. liest sich für mich wie ein Ausdruck innerer Unzufriedenheit mit dem eigenen freiheitlich gewählten
(selbstverordneten) Atheismus. Ich vermisse beim Kritiker die Zuversicht und Urwüchsigkeit eines selbstbewussten,
fröhlichen Materialisten, gepaart mit der Einsicht, dass beide Weltanschauungen wissenschaftlich nicht beweisbar sind.
Des Weiteren denke ich im Gegensatz zu A. dass es dem Papst nicht darum ging, darzustellen, dass Christen die besseren
Menschen sind, sondern darum, seine ganz persönliche Sicht bei der Jesus-Suche darzustellen. Dass ein so hoher
Würdenträger, bei existenziellen Fragen einen so tiefen Blick in seine Seele gewährt, ist bewundernswert.
Ein Letztes: A. beklagt, dass der Atheismus als Sünde bezeichnet werden könnte. Warum sollte der Atheist ein Problem
damit haben ? Sünde kommt von Sund und bedeutet soviel wie (von Gott) abgetrennt sein. Wie kann ein überzeugter
Atheist daran Anstoß nehmen, wenn er doch davon ausgeht, dass es Gott nicht gibt. Die Behauptung ist doch
dann gegenstandslos!
In dieser Broschüre wird wirklich kontrovers diskutiert, aber lesen Sie bitte vorher das Original !