"Jesus für Skeptiker" geht auf Hörsaalvorträge des Verfassers zurück. Trotz Überarbeitung wurde der lebendige Stil beibehalten, was das Buch überaus gut lesbar macht. Der promovierte Althistoriker Jürgen Spieß wendet sich an die skeptischen Zeitgenossen, Menschen, die distanziert prüfen und nicht einfach etwas glauben wollen. Spieß trifft den Ton, er bietet nicht marktschreierisch den christlichen Glauben an, er argumentiert und überrascht mit einem herrlich trockenen Humor. Eindrucksvoll ist das Kapitel "Leid und Liebe Gottes" : "Das Leid, das ein Mensch erfährt, ist sozusagen der Ernstfall, in dem sich seine Weltanschauung bewähren muß. In der Krise wird sich zeigen, wie stark unsere Hoffnungen sind, wie tragfähig unser Trost ist..."Leiden" hängt mit dem mittelhochdeutschen "lidan" zusammen; das heißt "in die Fremde ziehen". Wir sind entfremdete Menschen, wir sind nicht in unserer Heimat, und deshalb leiden wir." Wer leidet, hört oft "Das wird schon wieder" oder "Die Zeit heilt Wunden". Wer etwas anderes als diese Sprüche sucht, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.