Bei Ausgrabungsausgaben in Israel wird in einem 2000 Jahre alten Grab ein Toter mit einer Bedienungsanleitung für eine Sony-Kamera gefunden, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll. Die Spekulation gehen auch in Richtung eines Zeitreisenden, der möglicherweise Jesus auf Video aufgenommen hat. Eine spannende Jagd zwischen dem Entdecker und naseweisen Hobby-Archäologen Stephen Foxx, dem Medienmogul John Kaun und der katholischen Kirche beginnt. Eschbach erklärt dann noch (1998), wie Email und Digicam funktionieren und das man an der Klagemauer in Jerusalem nicht einfach mit dem Bagger graben darf.
Es gelingt Eschbach sehr gut, die aktuelle Stimmung in Israel einzufangen. Überall Soldaten, Kontrolle, Bedrohung. Die Handlung ist komplex konstruiert und greift wie ein Puzzle immer wieder zusammen, allerdings nimmt Eschbach die Wahrscheinlichkeit schon stark in Anspruch. Viele teils höchst glückliche Zufälle reihen sich aneinander, wie die Entdeckung eines unbekannten Geheimtunnels, der zufällig gerade auch das Fachgebiet von Stephens Schwiegerpapa in spe ist. Dazu baut das Buch sehr auf optische Effekte auf, wie der Beduine, der im Durstdelirium in der Wüste auftaucht und verschwindet, die eremitischen Mönche von Negev oder auch der einsame, streng orthodoxe Papa in seinem Kämmerlein. Hier wird offensichtlich, dass Eschbach eigentlich ein Drehbuch für den gleichnamigen und extrem Action-lastigen Film geschrieben hat. Harte Jungs, Waffen, Kampf - verhandelt wird nicht, und das geht zu Lasten der Intelligenz und auch der Tiefe der Charaktere. Entgegen meinen Erwartungen führt Eschbach die Leser auch nicht in die Vergangenheit zu Jesus: die Handlung bleibt im Hier und Jetzt.
Unwahrscheinliche Unwahrscheinlichkeiten und die Ansammlung extrem klischeehafter Personen - normal ist eigentlich keiner mehr - ergeben ein schönes Jugendbuch und Actionfilm. Daher als böses/gutes Fazit: Eschbach wollte bestimmt keinen Indianer Jones schreiben, aber ich finde, es ist ihm ganz gut gelungen :-)