In "Der Jude Jesus" äußert der deutsch-jüdische Theologe und Neutestamentler Pinchas Lapide drei Thesen über Jesus, nämlich: 1. "Jesus hat sich seinem Volk nicht als Messias kundgegeben, 2. "Das Volk Israel hat Jesus nicht abgelehnt" und 3. "Jesus hat sein Volk nie verworfen".
Mit einem "Brief statt einer Replik" antwortet der evangelische Theologe und Neutestamentler Ulrich Luz auf diese drei Thesen. Beide geben ein interessantes Zeugnis ihres guten Willens für den jüdisch-christlichen Dialog.
Zugleich aber zeigt dies Buch, wieso beide Parteien zu keiner Einigung finden. So lange Worte und Begriffe nicht für Beide gemeinsam verbindlich geklärt sind, ist das Gespräch mit diesen Worten und Begriffen von einer Unklarheit überschattet. Wenn ein Jude über 'Wahrheit' spricht, dann meint er damit nicht den "Christus" (siehe: Joh 14,6). Und solange ein "Christ" noch glaubt, "Gott" müsse oder werde Schuld vergeben, die der Mensch in seiner Ichbildung ohne Gott erfand, ohne dies zu bemerken, so lange weiß auch er noch nicht, was der Unterschied zwischen einem politisch gedeuteten Messias und einem spirituellen Erlöser ist. Wie Jesus nur wenigen Juden die "Wiederkehr des Elia" und mit ihm den "Anbruch des Friedensreiches" zu erklären gelang, so konnte Paulus nur wenigen Heiden die "ganze Unschuld" erklären. Beide Parteien - Juden wie Christen - verwechseln immer noch größtenteils die vergängliche Welt mit der unvergänglichen Schöpfung. Das Vergängliche bleibt so lange schuldgetauft, wie der Mensch sein Herz an es hängt, und bis er das Unvergängliche als das einzig Wahre erschließen wird.