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Jesus, die Evangelien und der christliche Glaube: Eine durch ein SPIEGEL-Gespräch ausgelöste Debatte
 
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Jesus, die Evangelien und der christliche Glaube: Eine durch ein SPIEGEL-Gespräch ausgelöste Debatte [Taschenbuch]

Andreas Lindemann , Gottfried Schröter , Armin Baum , Ingo Broer , Thomas Mayer , Karl-Heinz Vanheiden
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 142 Seiten
  • Verlag: VTR (26. Januar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3933372100
  • ISBN-13: 978-3933372109
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.551.441 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Im Dezember 1999 veröffentlichte DER SPIEGEL unter dem Titel „Ist Jesus dem Glauben im Weg?“ ein Gespräch mit dem renommierten evangelischen Neutestamentler Prof. Andreas Lindemann von der Kirchlichen Hochschule Bethel. Anlass war die Veröffentlichung des überarbeiteten Buches „Jesus Menschensohn“ von Rudolf Augstein. Das Interview handelte von den Widersprüche zwischen der wissenschaftlichen Leben-Jesu-Forschung und den kirchlichen Bekenntnissen und verursachte einiges Aufsehen. In der evangelikalen Zeitschrift „Bibel und Gemeinde“ nahm zunächst der Pädagoge Prof. Gottfried Schröter kritisch Stellung. Daran schloss sich ein Disput zwischen Prof Lindemann und Prof. Armin D. Baum von der FTH Gießen an. Daraus entstand schließlich eine separate Veröffentlichung, die durch weitere Beiträge von A.D. Baum, A. Lindemann und Prof. Ingo Broer von der Universität Siegen ergänzt wurde. Der Leser hat die Gelegenheit, zu einem zentralen theologischen Thema eine fair geführte Diskussion zwischen evangelikalen und liberalen Wissenschaftlern zu verfolgen. Das Buch hilft ihm, Antworten auf die kritischen Anfragen an die Historizität der Evangelien und den Inhalt des christlichen Glaubensbekenntnisses zu finden.

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Von ichthys-Redaktion TOP 1000 REZENSENT
Im Dezember 1999 löste der mittlerweile emeritierte Neutestamentler Andreas Lindemann an exponierter Stelle, nämlich in einem Interview mit dem Spiegel (abgedruckt in: DER SPIEGEL 50 (1999), 130-136 unter dem Titel: Ist Jesus dem Glauben im Weg? Der evangelische Neutestamentler Andreas Lindemann über die Widersprüche zwischen Jesus-Forschung und kirchlichen Lehren), bei einer Gruppe von bibeltreuen Christen und Theologen ein gewisses Aufsehen aus. In diesem Interview bestritt er die Historizität vieler Geschehnisse, die Gegenstand kirchlicher Lehre und Predigt sind, wie z. B. der Geburt Jesu in Bethlehem (vgl. 12f.), der Jungfrauengeburt (vgl. 13), dass sich Jesus als Sohn Gottes verstand (vgl. 13), den Missions- und Taufbefehl erteilt (vgl. 14) und Wunder getan hat (vgl. 15). Zudem seien die Erzählungen über den auferstandenen Jesus Legenden. Der Neutestamentler bekannte, sein Glaube lebe nicht von historischen Tatsachen, sondern von dem Glauben der Urchristen, wie er durch die Evangelien vermittelt werde (vgl. 18).
Diese Thesen sind Anknüpfungspunkt für eine Reihe von Beiträgen in dem hier rezensierten Sammelband. Dabei handelt es sich genau genommen um drei "Debatten" mit insgesamt zwölf Wortmeldungen, von denen zehn bereits zuvor veröffentlicht worden sind.
Die erste Debatte beginnt nach dem Wiederabdruck des genannten Interviews mit einem kritischen Kommentar des Pädagogik-Professors Gottfried Schröter (siehe auch: Gottfried Schröter: Und die intellektuelle Redlichkeit? Mit seiner Theologenkritik hat Rudolf Augstein Recht, Bibel und Gemeinde 100 (2000), 105-114), zu dem Lindemann anschließend Stellung nimmt. Schröter kommentiert in scharfer, teils polemischer Sprache Auszüge des Interviews und nimmt dazu persönlich Stellung: Es sei schizophren und intellektuell nicht redlich, an etwas zu glauben, was historisch nicht geschehen sei (vgl. 21.24.30). Lindemanns Antwort leitet einen doppelten, nun deutlich sachlicher geführten "Schlagabtausch" mit Armin D. Baum (Neutestamentler an der FTH Gießen und der Ev.-Theol. Fakultät Leuven) ein. In diesem betont Lindemann wie zuvor die Unabhängigkeit des Glaubens von historischen Aussagen, während Baum die Unzertrennbarkeit beider hervorhebt. Entsprechend versteht Lindemann die Evangelien primär als Glaubenszeugnisse der urchristlichen Gemeinde, während Baum auch auf ihre historische Zuverlässigkeit Wert legt (vgl. 33-60). Für den Leser sind die exemplarisch vorgeführten Auslegungen, die das Argument der jeweiligen Seite stützen, hilfreich, um die grundlegenden Differenzen zu veranschaulichen. Lindemann lässt in dieser Debatte allerdings durch die Vermeidung von negativen Aussagen die prägnante Klarheit des Spiegel-Interviews vermissen. Es ist zudem nicht verwunderlich, dass der Austausch mit dem Hinweis Baums auf eine bei Lindemann erreichte "Grenze des Christentums" (59f.) abbricht.
Die zweite und kürzeste Debatte (vgl. 61-78) beginnt mit einem Wiederabdruck eines autobiographischen Eintrages Lindemanns, der die zuvor abgedruckte Debatte lediglich kurz erwähnt. Daran schließt sich ein Kommentar Baums an, der sich allerdings auf das ganze Buch und nicht nur auf den abgedruckten Beitrag Lindemanns bezieht. Darin kritisiert er vor allem die übermächtige Bedeutung der Theologie Rudolf Bultmanns bei den zu Wort kommenden Vertretern der deutschen Neutestamentler.
Bei der dritten Debatte handelt es sich um einen Wortwechsel zwischen Ingo Broer, Neutestamentler in Siegen, und wiederum Armin D. Baum. Ausgangspunkt ist ein Referat Broers zu Ehren eines Sozialwissenschaftlers, bei dem er, eingerahmt von Ausführungen über soziologische Theorien und Verstehenszugänge zum Phänomen des religiösen Fundamentalismus (vgl. 79-85.104-109), evangelikales Schriftverständnis aus seiner Sicht darstellt (vgl. 85-99) und kritisiert (vgl. 99-104). Trotz der sehr sachlichen Wortwahl des Aufsatzes stellt diese Zuordnung von Fundamentalismus und evangelikaler Schriftauslegung für Baum eine unsachgemäße Beschreibung dar. In seiner Antwort kritisiert er daher den von BROER verwendeten Fundamentalismus-Begriff und stellt die im Gegensatz zu dieser Definition stehende Dialogbereitschaft evangelikaler Exegeten heraus (vgl. 111-115). Im zweiten Teil der Antwort und in den folgenden zwei Briefen der Dialogpartner stehen wie schon in der ersten Debatte Fragen nach der Historizität der biblischen Quellen im Mittelpunkt, nun jedoch mit einem Schwerpunkt auf der Bestimmung des Verhältnisses einer modernen Definition von "Historie" und dem Selbstverständnis der neutestamentlichen Autoren als Historiker (vgl. 116-136).
Insgesamt gesehen gibt das Büchlein vor allem interessierten Laien und Studienanfängern der Theologie die Möglichkeit, grundsätzliche Unterschiede einer "evangelikalen Exegese" im Sinne der FTH Gießen und einer "liberalen Exegese" im Gefolge Bultmanns kennen zu lernen. Die Stärke dieser Veröffentlichung ist, dass die unterschiedlichen Positionen an vielen Stellen durch die kurzen Beiträge pointiert heraus kommen. Darin liegt aber auch die Schwäche: Eine differenzierte Auseinandersetzung kann dem Leser in der Kürze nicht geboten werden. Es bleibt oft unklar und wird nicht expliziert, welches Verständnis und Verhältnis von Geschichte, Wahrheit und Autorität dem jeweiligen Ansatz zugrunde liegt. Zudem trägt die Seltenheit des präsentierten Austausches vermutlich dazu bei, dass an vielen Stellen nicht nur ein grundsätzlicher Abgleich, sondern auch eine sprachliche Annäherung und Überwindung von Vorurteilen nötig war. Diesbezüglich gibt es sicher noch viel Steigerungspotential für den Fall eines weiteren Dialogs.
Im Hinblick auf die hermeneutischen Ansätze sieht der Rezensent nur bei Broer die Richtung eines gangbaren Weges, wenn er darauf hinweist, dass die Art und Weise der Offenbarung Gottes in der Schrift mit der der Offenbarung Gottes in Jesus Christus als erniedrigtem und gekreuzigtem Menschen vergleichbar sein und somit auch Runzeln und Probleme enthalten muss (vgl. 101). Broer entwickelt seine Ausführungen jedoch nicht unter der Berücksichtigung des Gedankens weiter, dass der erniedrigte Jesus Christus trotz seiner Niedrigkeit keinen Petrus brauchte, der ihn mit dem Schwert verteidigte (vgl. Joh 18,10f.). Es bleibt zu fragen, wie die Schrift Offenbarung Gottes sein sollte, wenn sie eines durch Menschen korrekt gewählten historischen Zugangs bedürfte? In ihrer Tendenz, den Glauben durch geschichtsphilosophische Voraussetzungen sichern zu wollen, sind sich die dargestellten Positionen sehr ähnlich. In ihrem Ringen um ein angemessenes Verständnis der heiligen Schrift können sie jedoch nicht nur Laien und Studienanfängern ein Vorbild sein.

Johannes Brakensiek
ichthys 27 (2011), 269-271
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