Selbst nach über dreißig Jahren, die seit der Erstveröffentlichung dieses Buches vergangen sind, kann man dieses dogmatische Lehrbuch uneingeschränkt als zuverlässigen theologischen Wegweiser durch Ursprünge und Entwicklung des Christusbekenntnisses empfehlen. Aus seinen Vorlesungen hervorgegangen konnte Walter Kasper 1974 eine ausgereifte Frucht seiner Sicht präsentieren, die inhaltich anspruchsvoll und dennoch in jedem Satz gut verständlich bleibt. Die zentralen Gedankengänge und Inhalte sind auch durch die nachfolgende Forschung bis heute nicht überholt.
In drei großen Kapiteln nähert er sich Jesus, dem Christus an, wählt dabei als Einstieg zeitgenösssische Möglichkeiten des Zugangs ("I. Die Frage nach Jesus Christus heute"), um dann zur Rückbesinnung auf die Ursprünge ("II. Geschichte und Geschick Jesu Christi") überzuleiten, bis schließlich der Boden bereitet ist für die eigentlich dogmatische Reflexion ("III. Das Geheimnis Jesu Christi"), in der dogmentgeschichtliche Entwicklungen immer wieder zurückgebunden werden in die großen Linien der Christologie. Dabei werden auch hermeneutische und philosophische Probleme souverän integriert.
Selten ist einem Theologen so überzeugend gelungen, historische Rückfrage und systematische Entfaltung zu einer stimmigen Synthese zu führen. Man mag bemängeln, dass der Autor wenig Originelles zu bieten hat. Doch war das nie die Absicht seiner Darstellung, die im "Interesse an einer die Diskussion kritisch sichtenden und solid zusammenfassenden Behandlung" ("Vorwort" S. 9) geschrieben wurde. Die gründlich abgewogenen Urteile Kasper auch zu strittigen Fragen vermitteln allen an Theologie Interessierten klare Orientierungen. Hier liegt wirklich ein Buch von bleibender Bedeutung vor!