In diesem Buch verführt uns der indische Autor dazu, die Bibel noch einmal neu zu lesen. Er möchte nicht ketzerisch sein, wenn er uns erzählt, dass Jesus vielleicht die Kreuzigung überlebt haben könnte, er möchte auch nicht die Person Jesu herabwürdigen, das bestätigt er gleich im Vorwort und später in vielen Sätzen. Vielmehr möchte er zeigen, dass es möglich ist, Jesus als Gottessohn zu begreifen, ganz ohne seinen Tod und die damit verbundene Vergebung aller Sünden annehmen zu müssen. Für Jesus war der Tod nicht das Zentrum seines Glaubens. Was nach Meinung des Autors für Jesus wichtig war, zeigt er uns in der Bibel, aus der er die Worte Jesu zitiert, interpretiert und zusammenstellt. Ferner zieht er Parallelen zu indischen und hinduistischen Heiligen, erklärt, dass seines Erachtens Jesus eine viel innigere Lehre verbreiten wollte, eine nach innen gewandte, nicht auf einen Machtapparat fußende Lehre.
In diesem Kontext nun argumentiert er, aus der Bibelperspektive, dass es möglich ist, dass Jesus die Kreuzigung überlebt haben könnte, und spekuliert, was danach passiert sein könnte und wie es vielleicht dazu kam, dass Jesus überlebte.
Ich persönlich denke, dass der Wert des Buches nicht darin liegt, die Aussagen als wahr, falsch, ketzerisch, häretisch, gnostisch, teuflisch oder trivial zu bezeichnen - es geht dem Autor (und so ging es mir als Leser schliesslich auch) mehr darum, eine Alternative, eine andere Möglichkeit aufzuweisen und dieser einmal nachzugehen.
Dennoch liegt mit diesem Buch kein objektives, historisches Sachbuch vor, der Autor ist selbst gläubig und argumentiert oft aus einer in dieser Richtung ein wenig befangenen Blickweise.
Insgesamt aber ein schönes Werk, das historische Fakten und Bibelzitate zusammenbringt, um einmal in eine andere Richtung zu spekulieren und damit unter anderem zu sagen, dass Jesus mehr war als sein Tod und die damit verbundene Sündenvergebung -dass er eigentlich etwas ganz anderes wollte.
Ein interessantes, unterhaltsames Buch, das ausserdem im Anhang einen sogenannten "Augenzeugenbericht" auf etwa 30 Seiten bringt, ein scheinbar in Alexandrien gefundenes angeblich "echtes" Essener-Dokument, das die Lebensgeschichte Jesu noch einmal ganz anders erzählt. Dies ist lesenswert, welche Meinung man sich davon bildet, hängt vom einzelnen Leser ab. Als Stellungnahme aus einer anderen Richtung aber, unabhängig davon, ob man diese Stellungnahme auch vertritt oder nicht, möchte ich dieses Buch gerne empfehlen.