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Jessica, 30
 
 
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Jessica, 30 [Taschenbuch]

Marlene Streeruwitz
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (12. Dezember 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596161363
  • ISBN-13: 978-3596161362
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 369.690 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Marlene Streeruwitz
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Dreimal kann man in diesem Roman so richtig tief durchatmen -- am Ende jedes der drei Kapitel, nämlich dort, wo einer dieser seltenen Punkte platziert ist: Jessica, jung, hübsch,läuft und läuft, abgehetzt, jeder Lebensgedanke wird zu einem Atemzug. Klischees, Klamotten und Kosmetik, Sex und Schönsein, arbeitslos und auf der Suche nach der großen Liebe, das ist der Stoff aus dem ein bemerkenswerter Roman wird.

"Ich möchte nicht, eigentlich möchte ich nicht, eigentlich möchte ich gar nicht, überhaupt nicht", so geht es auch dem Leser auf den ersten Seiten, wenn Auge und Lesart sich an das joggende, stilistisch ausgefallene Tempo der österreichischen Autorin einstellen müssen. Kurze Satzfetzen, wie hingehaucht, aneinander gereiht, wie schnelle Atemzüge, hastig, treibend, ohne Pause, rastlos. Das fordert geballte Konzentration, Hingabe an die gedanklichen Sprünge der für Schlankheit, Fitness und Schönheit joggenden Jessica. Die hat in Wien Germanistik und Philosophie studiert, keinen Job, dafür einen Staatssekretär als Geliebten und glaubt ansonsten "sozialfrigid" zu sein. Irgendwie läuft das mit ihrem Leben nicht so, wie es sollte, oberflächliches Glück, schnelle Befriedigung, vorübergehendes Glücklichsein, all das kann aufkommende Hohlheit und Leere nicht mehr übertünchen: Jessicas Joggen zwingt irgendwann zur eigenen, inneren Kursbestimmung.

"Freiheit ist doch nicht etwas, was man beschließt, das muss man doch jeden Augenblick haben können." Einsichten, die noch längst nicht zum festen Gedankengut gehören. Leider. Davon gibt es im Roman eine ganze Menge, denn Jessica entdeckt das Leben hinter den Fassaden, erkennt den Unterschied zwischen Leben und Funktionieren, zwischen Liebe und demütigenden Sexpraktiken. "Natürlich habe ich jetzt ein Vorurteil,...da kann man über Männer nicht mehr freundlich denken." Und sinnt auf Rache.

Alles in allem: inhaltlich und gedanklich nichts überraschend Neues, dafür sprachlich und stilistisch äußerst kurzweilig und erlebenswert! --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2004
Kolja Mensing hat einen "wirklich anstrengenden und zuletzt recht verbiesterten Roman" gelesen, der ihm aber auch Bewunderung für die Autorin abgenötigt hat: für die Konsequenz der antipatriarchalischen Programmatik ihrer Bücher und deren formal-radikale Umsetzung. Normalerweise, so Mensing, bildet sie die Männlichkeit der Sprache als punktdurchsetztes "Stakkato" von Halbsätzen ab, hier jedoch greift sie stattdessen zum Komma und unterteilt "Jessica, 30" in drei Kapitel - drei lange Monologe, bestehend aus jeweils nur einem einzigen Satz. Im ersten treffen wir die Heldin als Lifestyle-Journalistin und "leicht naive Vertreterin der 'Post-Brigitte-Generation'", im zweiten wandelt sie sich im Laufe einer Affäre mit einem ("hoffentlich frei erfundenen", schreibt Mensing) Politiker aus dem Kabinett von Wolfgang Schüssel in eine Aufklärerin wider die "neoliberale Verachtung", mit der die "Männer im 21. Jahrhundert ihr Recht behaupten, in wen auch immer 'den Schwanz hineinstecken zu können'", um dann im dritten ihrem "antipatriarchalischen Furor" freien Lauf zu lassen. Dass Politiker sich osteuropäische Prostituierte auf Staatskosten kommen lassen, findet der Rezensent glaubwürdig, den Wandel der Erzählerin "zur radikalen Frauenbeauftragten der Generation Golf" findet er dagegen recht gewollt. Zu einfach in Moral und Umsetzung, so könnte man sein Fazit ziehen - aber immerhin mit Wucht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 04.06.2004
Diese Besprechung handelt von den Schwierigkeiten, ein großes Lob auszusprechen. Es gelinge Marlene Streerurwitz nämlich, so der sich mühende Rezensent Burkhard Müller, für eine schwer zu fassende Daseinsform - die unruhige innere Existenz eines Singles - eine Darstellungsform findet, die ihre eigenen Schwierigkeiten verbirgt. Doch sei der innere Monolog, schreibt Müller, in Wahrheit eine Königsdisziplin - keine andere Form verlange so viel "Form- und Taktgefühl", eine solch "unausgesetzte Anstrengung der Behutsamkeit und Präzision". Um Streeruwitz’ Können zu belegen, zieht der Rezensent zwei andere österreichische Meister des inneren Monologes heran - und lässt sie gar nicht so gut aussehen: "Bei Jelinek wird der Kalauer, bei Bernhard die Litanei auf Autopilot gestellt;  (...) Bei Streeruwitz geschieht das niemals. Hier hat man tatsächlich was verpasst, wenn man versehentlich eine Zeile beim Lesen auslässt." Ihr Vorgehensweise ist es, so Müller, die inneren Vorgänge an äußere Begebenheiten zu binden und so das „assoziative Denken" zugleich zu stören und anzustacheln, auf jeden Fall weiterzutreiben; „die Einsichten", schreibt er, „blitzen auf und werden sofort in eine andere Richtung abgelenkt, nichts wird festgehalten" - dafür sorgen schon die Kommata, das wichtigste Stilmittel dieses Romans. Müllers Fazit: „Es ist ein sehr gutes, mehr als das: es ist ein intelligentes Buch geworden."

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 19.06.2004
Der Rezensent Martin Krumbholz stellt sich vor, wie Marcuse und Godard mit düsteren Mienen anstoßen auf Marlene Streeruwitz' Roman, macht dieser doch ihre Prognosen über den "Warencharakter der Liebe im Spätkapitalismus" aufs Deprimierendste wahr. Mit "Jessica, 30", mutmaßt der Rezensent, versucht Streeruwitz die Fortsetzung ihres beachtlichen Romans "Verführungen" zu schreiben. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: "Jessica, 30" solle wohl witzig sein, sei es de facto aber eher nicht. Denn Jessicas Selbstporträt einer "modernen jungen Frau in einem modernen Intellektuellen-Beruf" (freiberufliche Journalistin), deren Leben sich in einem Netz verschiedener Halb-Abhängigkeiten (unter anderem von einem bereits liierten Politiker, mit dem sie ein Techtelmechtel hat) abspielt, wirke lediglich wie die Manifestation eines "durchschnittlich unglücklichen Bewusstseins" angesichts einer virtuell tickenden Lebensuhr. Und so wirke auch Jessicas Gegenwehr gegen den Geliebten, von dem sie sich ausgenutzt fühlt, "konstruiert". Die letztendliche "Alternative" zwischen "aufgeklärter Frau" und "weiblicher Subversion" entscheidet Streeruwitz viel zu leichtfertig, kritisiert der Rezensent, schließlich arbeite die Literatur "anders als das Leben, sublimer".

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Jessica, 30, hat eine hervorragende Ausbildung, bekommt aber als Journalistin keinen Fuss auf den Boden. Bei ihren Freundinnen, von denen sie sich mittlerweile ziemlich entfremdet hat, vermutet sie dunkle Seiten und Abgründe, die sie faszinieren, während sie sich selber als hell und flach sieht, langweilig eben. Thema ihrer journalistischen Tätigkeit für ein Frauenmagazin sind mitunter sexuelle Verirrungen, die sie abstossen und reizen zugleich. Was, wenn sie etwas mit ihrem Vater hätte? Was, wenn sie sich von ihrem Liebhaber ans Bett fesseln liesse? Ihr Liebhaber ist ein Politiker, ein Staatssekretär. Auch hier ist Jessica gespalten - die Aura der männlichen Macht zieht sie an und fordert sie, die über feministische Theorie promoviert hat, gleichzeitig heraus. Als sie von angeblichen sadistischen sexuellen Handlungen ihres Staatssekretärs mit einer früheren Geliebten erfährt, spielt sie mit dem Gedanken, ihn hochgehen zu lassen und dadurch gleichzeitig die Regierung zu Fall zu bringen. Schliesslich kommt es zu einem Übergriff des Politikers auch auf ihre sexuelle Integrität, und sie beschliesst, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Dies in dürren Worten die Handlung dieses aussergewöhnlichen Romans, den man in dieser Form zusammenfassen kann, ohne dem Leseerlebnis viel vorweg zu nehmen. Geschrieben im Stil des „Stream of Consciousness", unterbrochen nur von einigen Dialogen, führt der Roman den Leser durch seinen enormen Assoziationsreichtum in diverse Zeit- und Handlungsebenen, ohne dass jemals ein Gefühl der Verwirrung aufkommen würde. Im Gegenteil, die drei Kapitel werden zeitgleich mit einer Flugreise, einer Szene in Jessicas Apartment und einem Jogginglauf erzählt, in atemlosem Tempo, nicht ohne Punkt und Komma, aber ohne Punkt. Nur drei Punkte, am Schluss eines jeden Kapitels. Was geringeren Federn zur experimentellen formalen Masche geraten würde, hat bei Marlene Streeruwitz den gegenteiligen Effekt: man erkennt diese Erzählweise als die einzig angemessene; eine kohärentere Darstellungsform ist nicht vorstellbar.
Den Raum ihres Bewusstseins öffnet Jessica nur uns Lesern, nie aber ihren Mitmenschen. Dies aus Scheu, die schützende Hülle des Bewusstseins - sie wirkt wie ein Kokon - könnte sonst verletzt werden, was unabsehbare Folgen hätte. Im zweiten Kapitel des Romans gibt es eine dialogreiche Passage, und exakt in dieser Passage des - wenn auch beschränkten - Austauschs, findet der Übergriff auf die Integrität Jessicas statt. Sexualität ist ein zentrales Thema des Romans, und es stimmt nachdenklich, vorgeführt zu bekommen, wie unterschiedlich die Auffassungen von Männern und Frauen davon sind, was Sexualität ist oder sein soll. Sexualität erscheint als belastend für eine Beziehung; positiv erscheint einzig der Nutzwert der psychologischen Aspekte der partnerschaftlichen Sexualität als Inspirationsquelle für die Autoerotik.
Ich mag nicht beurteilen, ob es sich bei Jessica lediglich um eine psychologisch brillant gezeichnete literarische Kunstfigur handelt, oder ob die Zurückhaltung Jessicas, sobald es um persönliche, intime Dinge geht, exemplarisch ist für die Ausdrucksformen alleinstehender Grossstadtbewohnerinnen ihres Alters. Diese Frage sollen die Frauen dieser Generation selber beantworten.
Beurteilen kann ich aber, dass dieser Roman absolut bemerkenswert ist!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
innerer monolog... 7. März 2008
Von esc
Format:Taschenbuch
jessica hat noch gefehlt in meiner streeruwitz sammlung. ich wurde nicht enttäuscht! die autorin beherrscht wieder einmal meisterhaft den inneren monolog ihrer heldin: jessica, 30, attraktiv, intellektuell, single,...

jessicas gedankenwelt kreist um ihr streben nach der perfekten figur und aussehen, dem entsprechen eines idealbildes, das uns von oberflächlichen frauenmagazinen vorgelebt wird, um ihr turbulentes, verzweifeltes, im grunde sehr unbefriedigendes sexualleben, sehnsucht nach liebe, freundschaft, anerkennung, um kämpfe im berufsleben und ums überleben im ewigen kokurrenz-alltag, um politik und feminismus - letztendlich um das bestehen einer ganz normalen, intelligenten, einsamen frau in einer rauhen welt. der stil ist prägnant, schonungslos, rasant, atemlos in 3 sätzen, punkt.

die story ein paradebeispiel für zig-tausende schicksale. das offene ende großartig. - ich glaube man kann das buch nur lieben oder hassen.
ich warte schon ungeduldig auf die nächste veröffentlichung von frau streeruwitz.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Dreimal kann man in diesem Roman so richtig tief durchatmen - am Ende jedes der drei Kapitel, nämlich dort, wo je einer dieser seltenen Punkte platziert ist. Auge und gewohnter Leserhythmus müssen sich auf das stilistisch ausgefallene Tempo der österreichischen Autorin einstellen. Das fordert Konzentration und Hingabe an die gedanklichen Sprünge der für ihre Fitness joggenden Jessica. Kurze Satzfetzen, Gedankensplitter über Klamotten, Klischees, Kosmetik, Tagespolitik, Sex, Schlanksein, Schönheit, aneinander gereiht, wie schnelle Atemzüge, hastig, treibend, rastlos.
Jessica hat in Wien Germanistik und Philosophie studiert, ist nach etwas Lifestyle-Journalismus ohne festen Job und auf der Suche nach Liebe. Eine Affäre mit einem Staatssekretär wird zur tiefen Enttäuschung. Schnelle Befriedigung, vorübergehendes Glücklichsein, das kann die aufkommende Leere im Singlegasein nicht mehr übertünchen. Irgendwie läuft das mit ihrem Leben nicht so, wie es sollte. Den Raum ihres Bewusstseins öffnet Jessica aber nur dem Leser, nie ihren Mitmenschen. Das schützende Kokon um ihr Inneres könnte sonst verletzt werden.
Im zweiten Kapitel des Romans gibt es kurze Dialog-Passagen. Jessica hat von der Neigung zu sadistischen Sexpraktiken ihres Staatssekretärs erfahren und will ihn 'aushorchen'. Exakt in dieser Phase der, wenn auch beschränkten, persönlichen Öffnung zum Gespräch, findet der Übergriff des Staatssekretärs auf die Integrität Jessicas statt. Hier beschließt sie, sich zu wehren. In einer etwas steilen Wandlung entwickelt sich aus der anfangs eher naiven eine progressive Feministin. Sie träumt davon, die sexuellen Quälereien, die der Politiker mit Jessicas ehemaliger Freundin vollführt hat, journalistisch auf zu bereiten und damit womöglich die Republik zu erschüttern. Neben diesen Angriffen auf die politische Klasse ist Sexualität in der Single-Vereinsamung ein zentrales Thema des Romans wie überhaupt der Generation Jessicas (s.a. Houellebecq).
Arthur Schnitzler hat mit seiner kurzen Novelle 'Leutnant Gustl' die Schreibtechnik des Inneren Monologs paradigmatisch in die Literatur eingeführt. Marlene Streeruwitz verwendet diese Technik hervorragend adaptiert an die heutigen Zeitumstände. Dies gelingt zwar nur im ersten Teil ohne Abstriche; zweiter und dritter Abschnitt verlieren etwas an Dynamik sowohl sprachlich wie inhaltlich. Es bleibt dennoch ein bemerkenswerter positiver Gesamtaspekt.
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