Der Jesuit Georg Sporschill, bekannt aufgrund seines Engagements für rumänische Straßenkinder, hat sich die Mühe gemacht, seinen Ordensbruder, den emeritierten Erzbischof von Mailand, Carlo Kardinal Martini, in Jerusalem zu wichtigen Fragen des Glaubens und Lebens zu befragen. Dies geschieht in einer sehr persönlichen Perspektive, sodass der Kardinal immer wieder die Gelegenheit nützt, seine Erfahrungen mit dem Glauben und seine Sichtweise der Pastoral der Kirche kundzutun. Besonders beeindruckt der offene Zugang zu den Fragen junger Menschen, die den sechs Teilen des Interviewbändchens jeweils vorausgestellt werden. Im einzelnen geht es um das, was ein Leben trägt (I), um den Mut zur Entscheidung (II), das Gewinnen von Freunden (III), das Vertrautwerden mit Gott (IV), das Erlernen der Liebesfähigkeit (V), das Eintreten für eine offene Kirche (VI) und den vom Evangelium inspirierten Kampf gegen Ungerechtigkeit (VII). Ich finde es schade, dass der Kardinal in manchen Fragen seinen Dissens mit der offiziellen Lehre der katholischen Kirche kundtut (z.B. in Fragen der Geburtenregelung oder des Priestertums der Frauen). Anderseits finden sich in seinen Ausführungen wirklich auch viele "Perlen" in der Tradition des heiligen Ignatius, die man nicht übersehen sollte.