Auch wenn das neueste Werk von Nashville-Outlaw Steve Earle recht kurz geraten ist, so doch umso intensiver, sowohl musikalisch, vor allem aber hinsichtlich der Texte. Drehte sich Transcendental Blues mehr ums persönliche, so setzt sich Earle auf Jerusalem mehr mit der gegenwärtigen politischen Situation in den USA auseinander und geht mit der amerikanischen Gesellschaft hart ins Gericht in "America V6.0" und "Conspiracy Theory". Bedenkt man, dass Earle sich selbst gern als "borderline marxist" beschreibt, wundert es nicht, dass sich Songs "John Walker Blues" und "Jerusalem" erfrischend abheben vom Mainstream-Tenor in den USA des "Kampf gegen Terror". Musikalisch ist Jerusalem eher Rock als Country, auch wenn der obligatorische Bluegrass nicht fehlen darf in Form von "The Truth", der das Gefängnissystem in seiner Heimat anklagt. Aber auch ein fast klassisches Country-Duett mit viel Gefühl und der wunderbaren Stimme von Emmylou Harris überrascht. Insgesamt gelingt Earle hier zum wiederholten Male eine abwechslungsreiche, dichte Cd, die nach mehrfachem Hören immer besser wird. Keine leicht verdauliche Kost, sondern schön arrangierte Songs aus allen Richtungen, die Country-Musik bieten kann, mit Texten zum Zuhören und Nachdenken. Steve Earle's knarrige Stimme ist sicher nicht die umwerfendste, aber die Intensität und das aufrichtige Engagement mit der er seine Songs zum besten gibt bleibt unerreicht.