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Jerusalem: Roman
 
 
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Jerusalem: Roman [Taschenbuch]

Selma Lagerlöf
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 508 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (1. September 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548600956
  • ISBN-13: 978-3548600956
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12,4 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.321.316 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Selma Lagerlöf
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Lagerlöfs Rang als überragende Erzählerin war mit Jerusalem endgültig gesichert.« KINDLERS LITERATURLEXIKON

Kurzbeschreibung

In Mittelschwedens schweigender und großartiger Landschaft leben die Ingmarsöhne auf ihrem uralten Hof. Die veränderten Zeiten haben Unruhe in ihr Dasein gebracht. Die Bauern auf den weltabgeschiedenen Höfen tragen eine religiöse Sehnsucht im Herzen. Und so geraten sie unter den Einfluß eines charismatischen Führers. Sie verlassen ihre schwedische Heimat, um in Jerusalem die Wiederkunft Christi zu erwarten. Nur einer der Ingmarsöhne bleibt zurück, jedoch um den Preis einer hohen Schuld: Um den Hof halten zu können, bricht er ein Verlöbnis und heiratet eine reiche Bauerntochter. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lagerlöfs Meisterwerk 13. September 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Jerusalem" ist für mich das schönste Buch Selma Lagerlöfs. Natürlich sind "Nils Holgersson" oder die "Christuslegenden" bekannter, und sicher sind das auch gute Bücher, aber "Jerusalem" ist berührender. Im letzten Jahrhundert spielend, beweist die Geschichte eine zeitlose Aktualität in bezug auf Liebe, Verführung durch Sekten und so weiter.

Gertrud, eine Pfarrerstochter, wächst in Schweden auf dem Lande heran. Befreundet ist sie mit Ingmar, der einen Bauernhof sein Eigen nennt, der aber von seiner Schwester verwaltet wird. Später wollen sich beide heiraten, doch es kommt anders: Ein Sektenprediger kommt ins Dorf, Ingmars Schwester schliesst sich ihm an, schliesslich auch Gertrud, als Ingmar sie verlässt, um eine reiche Bauerstochter zu heiraten und so sein Erbe, den Hof, zu retten. Im zweiten Teil sind diese Verführten dann nach Israel gezogen, um dort eine Kolonie zu gründen. Ingmar macht sich auf den Weg, um seiner unglücklichen Ehe zu entkommen und Gertrud, der es in Israel zunehmend schlechter geht, heimzuholen...

Unglaublich dicht und anrührend schildert dieser, später von Bille August verfilmte, Roman sein Geschehen, und erweckt seine handelnden Personen zum Leben. Ein sehr, sehr gutes Buch! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Was in diesem Roman erzählt wird, spielt sich an verschiedenen Orten und auf mehreren Inhaltsebenen ab - der Zeitrahmen für das Ganze ist die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Zunächst liest es sich wie eine nordische Familiensaga: in der schwedischen Landgemeinde Dalarne spielt seit Generationen der Hof der Ingmarssöhne eine zentrale Rolle, der jeweilige Großbauer ist auch ohne offizielles Amt die höchste Autorität in der dörflichen Gemeinschaft. Diese Kontinuität droht beim jüngsten Ingmar Ingmarssohn abzureißen: er ist noch minderjährig, als sein Vater stirbt, der Hof wird von seiner älteren Schwester bewirtschaftet und droht ihm verloren zu gehen, als deren erster Mann aus Niedertracht sein Erbteil verschwinden lässt. Um den väterlichen Hof für sich zu retten, wird Ingmar seiner Jugendliebe Gertrud untreu und heiratet eine Frau, die ihm nichts bedeutet, nur weil deren reicher Vater den Hof ersteigert und ihm überlässt. Die Eheleute leben offenbar lieblos neben einander her und als dennoch ein Kind auf die Welt kommt, scheint sich ein alter Fluch zu bewahrheiten, demzufolge seine Frau nur blinde und schwachsinnige Söhne zur Welt bringen kann.
Die im zweiten Teil des Romans geschilderten Begebenheiten spielen sich dagegen in Jerusalem ab: ein Teil der schwedischen Bauern ist nach dem Auftreten eines Wanderpredigers dorthin ausgewandert und schließt sich einer religiösen Gemeinschaft an, die im Sinne der Urgemeinde Jesus nachfolgen will, Armut und Anfeindung in Kauf nimmt, um sich dem Dienst an den Armen, Kranken und Waisen zu widmen. Eines Tages taucht dort auch Ingmar Ingmarssohn auf, der der Erweckungsbewegung gegenüber zunächst immer skeptisch geblieben war...
Ähnlich wie mit den Hauptschauplätzen des Geschehens verhält es sich auch mit dem Hauptinhalt des Romans.
Man könnte ihn lesen als Entwicklungsroman, in dessen Mittelpunkt der vom Jüngling zum Mann heranwachsende Ingmar Ingmarssohn steht. Anfangs scheint er das schwächste Glied in der Kette seines Geschlechts zu sein, am Ende jedoch erweist er sich als würdiger Nachkomme seiner Vorväter.
Diese Entwicklung tritt jedoch über lange Phasen in den Hintergrund gegenüber der religiösen Thematik: was im Dorf mit einem Konflikt zwischen Pfarrer und Schulmeister beginnt, weitet sich zunehmend aus. Laienprediger und Charismatiker treten auf, die Dorfgemeinschaft wird gespalten und die religiös motivierten Auswanderer treffen in Jerusalem auf eine Vielzahl von Glaubensrichtungen, die in ständiger Spannung zwischen Kampf und Koexistenz stehen. Selma Lagerlöfs Botschaft ist meiner Meinung nach das Werben um Weite: sie kritisiert alle Formen religiöser Intoleranz, die zu Ausgrenzung, Verfolgung und in letzter Konsequenz zum Tod von Andersgläubigen führen. Es gibt keinen an sich richtigen Glauben und keine wahre Religion - auch der tanzende Derwisch oder der noch in heidnischen Traditionen verhaftete schwedische Waldbewohner haben Zugang zu überweltlichen Wahrheiten. Visionen, Offenbarungen und Prophezeiungen können im Prinzip jedem und jeder zuteil werden. Maßstab ist vielmehr das aus diesen religiösen Überzeugungen und Erfahrungen resultierende Handeln der Personen. Sie können sich selbst verfehlen und ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen Schaden zufügen oder sie können ihre Bestimmung erkennen und zu einem Segen für ihre Umgebung werden. Lagerlöf verteilt Licht und Schatten in allen Lagern und baut damit vorschnellen oder einseitigen Urteilen vor...
Wer sich auf diese religiöse Dimension einlassen mag, wird durch die Lektüre dieses Buches sicher bereichert werden. Wer dagegen in erster Linie einen historischen Roman, speziell eine nordische Familiensaga lesen möchte, könnte durch den zweiten Teil ein wenig enttäuscht oder ermüdet werden.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein gewaltiges Epos 18. August 2010
Format:Taschenbuch
Was für ein Buch - ein gewaltiges, ein mitreißendes, ein geradezu überwältigendes Epos, das Meisterwerk von Schwedens wohl größter Schriftstellerin. Eine Hymne auf das schwedische Bauerntum, ein Roman über die Macht der Tradition, über die Veränderungen, die über die Menschen hereinbrechen, eine Geschichte von den Wegen und Irrwegen des Glaubens und vor allem: Das hohe Lied der Liebe und der Arbeit.

Worum geht es? In einer Gemeinde in der schwedischen Landschaft Dalarna lebt seit Jahrhunderten das Geschlecht der Ingmarssöhne, die den größten, vornehmsten und ältesten Hof bewirtschaften, nämlich den Ingmarshof. Doch plötzlich zeichnet sich eine beklemmende Veränderung der althergebrachten Ordnung im Dorf ab. Es entsteht eine religiöse Erweckensbewegung, der der gutmütige, aber hilflose Pfarrer der lutherischen Staatskirche nichts entgegenzusetzen hat. Die religiöse Begeisterung erfasst immer mehr Menschen und führt schließlich zu dem Wunsch, nach Jerusalem auszuwandern und sich dort einer amerikanischen Sekte anzuschließen. Auch die derzeitige Besitzerin des Ingmarshof, Karin Ingmarsdotter, will sich anschließen und lässt deshalb den Ingmarshof versteigern, um Geld für die Reise zu haben. Dadurch aber wird ihr jüngerer Bruder Ingmar Ingmarsson, der eigentlich den Hof übernehmen soll, um seine Zukunft gebracht. Für ihn gibt es nur einen Ausweg: Wenn er Barbro Svensdotter, die Tochter desjenigen, der den Hof ersteigert hat, heiratet, kann er den Hof doch noch bekommen. Dafür müsste er aber seine Verlobte Gertrud Storm im Stich lassen...

Für mich persönlich - und ich gebe hier eine ganz und gar persönliche Würdigung ab - ist "Jerusalem" nicht nur das größte Werk Selma Lagerlöfs, sondern ein Buch, das mich mich tiefer und nachhaltiger begeistert hat als jedes andere, der für mich grandioseste Roman aller Zeiten. Ein Buch, das magisch in den Bann schlägt, das verzaubert, das beschwört, das saust und braust, das singt und klingt...

Der schwedische Schriftsteller Sven Delblanc nannte Selma Lagerlöf einen Atavismus. In der Tat könnte der gedämpfte, lakonische, beschwörende, an die isländische Saga gemahnende Erzählton - der sich radikal von dem exaltiert-überschwänglichen Stil, in dem "Gösta Berling" geschrieben ist, unterscheidet - den Eindruck erwecken, Selma Lagerlöf schreibe naiv, unbewusst, in einer uralten Tradition mündlichen Erzählens stehend. Doch das täuscht. Der spezifische Tonfall ist Stilmittel, mit welchem sie ihrer psychologischen Raffinesse und ihren literarischen Fertigkeiten den angemessenen Rahmen verschafft. Ihre Episodentechnik, also die Technik, ein großes literarisches Werk aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Erzählungen zusammenzusetzen, ist hier zur Meisterschaft getrieben.

Und wie jede große Literatur ist das Buch wahrhaft zeitlos. Nicht nur das Phänomen des religiösen Fanatismus, den Selma Lagerlöf ambivalent schildert, ohne klar Stellung zu beziehen, ist spätestens seit dem 11. September 2001 erschreckend aktuell. Das große Thema des Buchs, die Auswanderung und der Abschied ins Unbekannte, weist nicht nur zurück auf Vergils Äneis und voraus auf Vilhelm Mobergs große Romanserie über die schwedische Auswanderung nach Amerika, sondern behandelt eine existentielle Situation, die in den unterschiedlichsten Ausprägungen jeder Mensch kennt. Dabei ist das Buch spezifisch schwedisch. Man lasse sich nicht täuschen durch den Titel und den Umstand, dass der Roman teilweise in Jerusalem spielt. Noch in der heißen Trockenheit Palästinas, geplagt vom Durst, hören die schwedischen Auswanderer in ihrer Fantasie den heimatlichen Dalälv rauschen. Und wenn Ingmar Ingmarsson, zu Besuch in Jerusalam bei seiner verlassenen Geliebten Gertrud Storm, die beschäftigungslose und daher dem Untergang geweihte schwedisch-amerikanische Kolonie nach dem Muster der schwedischen Heimatgemeinde umorganisiert und jedem Arbeit gibt - und dadurch die Voraussetzung für eine glückliche Ehe mit Barbro schafft - dann erklingt noch einmal, wie am Schluss von Gösta Berling, das siegreiche Lied von der Arbeit und von der Liebe.

Man muss das lesen, es treibt einem geradezu die Tränen in die Augen. Dabei sollte man gar nicht meinen, dass ein so makelloses literarisches Werk auf wirklichen Ereignissen beruht. Und doch ist das so. Die Auswanderung schwedischer Bauern, die von einer religiösen Erweckung ergriffen worden sind, nach Jerusalem hat es wirklich gegeben. Selma Lagerlöf hat bei der Arbeit an dem Buch die Schweden in Jerusalem besucht und mit ihnen gesprochen. Selbst das Einleitungskapitel, die Geschichte von Ingmar Ingmarsson (des Vaters der männlichen Hauptperson gleichen Namens), der seine Verlobte in Falun nach der Entlassung aus dem Gefängnis abholt, obwohl diese das gemeinsame Kind getötet hat, beruht auf eine Zeitungsnotiz, die Selma Lagerlöf gelesen hatte.

Im einem Wort: Ein Buch, dessen Lektüre ein elementares Ereignis ist.
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