Produkt: DVD (1 Stück)
Filmtitel: Jerusalem. Produktionsland: Schweden. Premiere: 1996
Mit: Ulf Friberg, Maria Bonnevie, Pernilla August, Sven Bertil-Taube, Reine Brynolfsson, Lena Endre, Jan Mybrand, Max von Sydow u. v. A. Regie: Bille August. Kamera: Jörgen Persson. Musik: Stefan Nilsson
Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Selma Lagerlöf
Bild: gut / Farbe / Breitbildformat. Sprache: nur deutsche Synchronisation. Untertitel: keine. Filmlänge: 159 Minuten und 35 Sekunden
Genre: Literaturverfilmung > Religionsdrama > Drama > Beziehungsdrama > Heimatfilm. Specials: keine
Spoiler-Elemente
Schweden gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Ein starker, wuchtiger Film voller Kraft und epischer Breite. Es geht um brave, schwedische Dorfbewohner, die im Protestantismus beheimatet sind. Jedoch dringen in diese festen Strukturen charismatische Endzeitprediger freikirchlicher Gemeinschaften ein, die aufgrund der radikalen Predigt Viele zu beeinflußen vermögen. Das Endgericht stünde unmittelbar bevor und man solle sich nach Jerusalem aufmachen, um sich des Paradieses zu versichern. Die Gemeinde wird gespalten. Die eine Gruppe wandert nach Israel aus, lässt Haus und Hof stehen, ohne Rücksicht auf den materiellen Stand - die andere bleibt wohlweislich zu Hause. Familien werden zerrissen. Und Liebende.
Bille August zaubert Bilder des tiefen, skandinavischen Realismus und der bodenständigen Schwere. Ein Film, der im Grunde den Zuschauer erschlägt im positiven Sinn und ihm darreicht die Botschaft vom Sinn der Verankerung in der heimatlichen Scholle.
Die Durchmengung von ehrlichem Glauben, Wunderhysterie, Skrupulosität und Massensuggestion beginnt immer entscheidender Fuß zu fassen im Leben der Dorfmenschen, die sich vom Sog des fordernden Glaubens ohne Rücksicht auf den realen Kontext rettungslos mitreissen lassen.
Die aufgrund des mystischen Einbruchs bewegten Menschen verhalten sich immer sonderbarer, scheinbar verinnerlichter aber dabei gleichzeitig auch fehlgeleiteter. Jesus als visionäre Gestalt erweist sich als die geistige Rückprojektion eines sanftmütigen Verlockers und Verführers, der mit dem historischen Jesus nichts zu tun hat.
Das Leben in Jerusalem erweist sich als Tragödie. Strenge militaristische Autoritätsstruktur der Sekte in einer steinigen Festung geführt von einer mit todernster Miene regierenden Vorsteherin. Krankheiten, Mißerfolge, Degradierungen, Tode. Die verschiedenen Geschlechter werden voneinander strikt getrennt, wodurch Ehepaare auseinandergerissen werden. Auch sämtliche Kinder müssen in einem kollektiven Kindersaal hausen.
Parallel zu diesem Handlungsrahmen verläuft die unglückliche Liebesgeschichte von Ingmar und Gertrud, unvergesslich gespielt von Ulf Friberg und Maria Bonnevie.
Beide wachsen gemeinsam auf und verlieben sich ineinander. Und doch gewähren ihnen die Umstände des Lebens kein gemeinsames Glück, obwohl deren Liebe füreinander vollkommen ist.
Die apokalyptische Naherwartung und mystische Überzeugung von dem unmittelbar bevorstehenden Endgericht macht aus Gertrud eine gottestreue Magd, die nach Jerusalem mitreist. Infolge religiöser Überspannung verfällt sie zunehmend in krankhafte Apathie. Ingmar reist aus Schweden heran, um sie zurückzubringen. Obwohl sich Gertrud dagegen sträubt, kann er die Gemeindevorsteherin davon überzeugen, dass das labile Mädchen für die Gemeinde nachteilig ist. Durch diese Finte gelingt es ihm tatsächlich Gertrud nach Schweden zurückzubringen und sie vor dem existenziellen Zerfall zu retten. Der Film endet in einem weisen Happy End, welcher dem Geist der literarischen Vorlage zu verdanken ist.
Ein großes Meisterwerk der Filmgeschichte mit einer konstanten, runden Handlungsstruktur und erlesenen Bildern.
An eine Seite zu stellen mit dem großen Werk des selben Regisseurs "Pelle der Eroberer".