Mit seinem im Januar 2011 unter dem englischen Originaltitel erschienenen Sachbuch "
Jerusalem: The Biography" hat sich der britische Historiker Simon Jonathan Sebag Montefiore erstmals mit einem Thema beschäftigt, das sich historisch und auch geographisch außerhalb seines Spezialgebietes der russischen und sowjetischen Geschichte befindet.
Nachdem timediver® im Jahre 1982 als Höhepunkt seiner Israel-Reise den Jerusalemer Tempelberg besuchen konnte, habe ich 20 Jahre später mit Spannung und Begeisterung Richard Andrews "
Tempel der Verheißung" gelesen und rezensiert. Dem Historiker, Abenteurer und Forscher Andrews, der als Wrack- und Minentaucher, schließlich als Unterwasserarchäologe arbeitete, war es damals gelungen, den Leser mit seinem 423seitigen Taschenbuch über das mehr als 3000 Jahre bestehende Geheimnis des Heiligen Berges von Jerusalem in seinen Bann zu ziehen.
In der nachfolgenden Dekade hat timediver® neben dem unvergleichlichen Romanepos "
Die Quelle" von James A. Michener unzählige andere Bücher über die Geschichte des heiligen Landes gelesen und es auf einer zweiten Reise im März 2010 erneut besucht. "Mit Jerusalem. Die Biographie" bot sich mir dann erneut die Möglichkeit, mich mit der einzigartigen und faszinierenden Chronologie der Stadt zu befassen, die als Jeruschalajim, Hierosolyma und al-Quds drei Weltreligionen heilig ist.
Nach einem Vorwort und einem Prolog, der die Zerstörung Jerusalems durch den römischen Feldherren und späteren Kaiser Titus im Jahre 70 n. Chr. zu Gegenstand hat, präsentiert Montefiori die Biographie der Stadt in einer stringenten Folge von neun Teilen. Der erste Teil "Judentum" beginnt mit einer Beschreibung der Welt Davids und endet mit den Jüdischen Kriegen der Römer. Es folgen der kurze Abschnitt des Paganismus, in dem Jerusalem als Aelia Capitolina bezeichnet wurde und der dritte Teil "Christentum" von der Hochblüte des Byzantinischen Reiches bis zu seiner Dämmerung. Der vierte Teil "Islam" erstreckt sich von der arabischen Eroberung bis zum Wahnsinn der Fatimiden, dem im Zeitalter der Kreuzzüge ein Ende gesetzt wurde. Dem 200jährigen Intermezzo der Kreuzfahrerstaaten folgen die Teile, in denen vom Aufstieg und Niedergang der Mamelucken, bzw. der Osmanen berichtet wird. Das Zeitalter des "Imperialismus" beginnt mit "Napoleon im Heiligen Land" und bietet u. a. mit "Albanische Eroberung" (Muhammad Ali Pascha), "Die Evangelikale", deren zweite Mission in der Bekehrung der Juden bestand, und den "Russen" einige verblüffende historische Fakten, die wohl weniger bekannt sind.
Der zehnte und letzte Teil des Buches ist mit "Zionismus" überschrieben und beginnt mit Theodor Herzl, der als dessen Begründer gilt und einem antijüdisch eingestellten Kaiser Wilhelm II., der die Juden als "Mauschels" bezeichnet und ihr "Abrücken nach Palästina" als "je eher, desto besser" bezeichnet, Mit den nicht eingehaltenen britischen Versprechungen nach dem großen arabischen Aufstand und der Balfour Deklaration während de ersten Weltkrieges wurden die Ursachen des bis heute ungelösten
Nahostkonfliktes gesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg führen schließlich Aufstand und Terrorismus zu einem Abzug der Briten, der die Proklamation des Staates Israel am 5. Ijjar 5708 jüdischer Zeitrechnung (14. Mai 1948) durch David Ben Gurion und die palästinensische Katastrophe mit mehreren Kriegen und Intifada folgen sollte.....
Zum Abschluss wartet das Buch noch mit einem 140seitigen Anhang auf, zu dem fünf Stammbäume (Makkabäer, Herodier, Mohammed und die islamischen Kalifen und Dynastien, Herrscher des Königreiches Jerusalem und Haschemiten) und 16 Landkarten/Stadtpläne, Anmerkungen, Bildnachweise, eine Bibliographie und ein Register gehören.
Simon Sebag Montefiore ist es gelungen, den Leser auf eine spannende Zeitreise durch die letzten drei Jahrtausende zu führen, die nicht nur eine Geschichte Jerusalems, sondern der Weltgeschichte sind. Für timediver®, der sich noch gut an den Sechs-Tage-Krieg im Jahre 1967, den einäugigen Moshe Dayan und die nachfolgenden Ereignisse erinnern kann, bieten die letzten Kapitel und auch der Epilog einen gehörigen Teil Zeitgeschichte, die ich selbst miterleben durfte.
Das äußerst breit und tief angelegte Sachbuch verdient 5 Amazonsterne.