"This Is Not For Everyone": Der Arbeitstitel seines Solo-Debüts unterstreicht, dass Juice Aleems Hip Hop einem sehr speziellen Anspruch gerecht wird: Glaube und Identität anstelle von Club-Attitüde oder Charts.
Seit Jahren zählt er zur Rap-Elite Birminghams und mischt mit seinen Crews New Flesh und Gamma die britische Hip Hop-Szene auf. Futuristische Sounds in Kombination mit seinen Jamaikanischen Wurzeln lautet das bisherige Erfolgsrezept. Nebenher bastelte er jedoch auch fleißig fast 20 Jahre an seinem Soloalbum. Jetzt ist "Jerusalaam Come" fertig und zeigt Juice Aleem noch stärker von seiner spirituellen, religiösen und philosophischen Seite.
Nur wenige Intro-Sekunden und schon befindet man sich mitten im, vom stakkatoartigen Bass getragenen, "First Lesson" und somit auch schon inmitten der Welt von Juice Aleem. Schnell und wortgewandt weiß der Rapper das minimalistisch mit Bläser-Samples angereicherte Instrumental zu nehmen. Potentiellen Rivalen wird dabei eine ordentliche Lektion erteilt. Dass er sich dem "Real Hip Hop" verschrieben hat, verdeutlicht er wörtlich im sich anschließenden "Straight Out Of BC". Dabei präsentiert er in biblische Motive gebettet seine Weltanschauung, die sich zwischen Rastafari, Afrikanischem Erbe und den Einflüssen seiner Heimatstadt Birmingham positioniert.
Aleems bewusste Raps werden musikalisch sehr vielseitig transportiert. Zeigt sich einerseits ein Faible für Dub- oder Jazz-Elemente ("The Fallen (Gen. 15.13)") so hält mit Dubstep- oder Breakz-Sounds ("Rock My Hologramm") auch zeitgenössische Elektronika Einzug in sein Solo-Debüt. Damit erfüllt der umtriebige MC jedoch nur die Erwartungen, hatte er doch schon in der Vergangenheit mit Größen wie Coldcut zu tun und war im Umfeld des Elektronika-fokussierten Labels Nanja Tune tätig. (Auf dessen Hip Hop-Ausleger Big Dada erscheint daher nun auch "Jerusalaam Come".)
Was die vielseitigen Raps Aleems angeht, so erinnert seine Stimme zeitweise an RZA. Zudem ist es der Verwendung sehr düsterer Arrangements und Samples geschuldet, dass weitere Assoziationen zum klassischen Wu-Tang-Sound nicht ausbleiben - allen voran die Story in "The Killer's Tears", die mit Martial Arts-Sounds versehen geradewegs der Feder des New Yorker Clans entsprungen scheint.
Das lang erwartete Debüt Juice Aleems zeigt einen Hip Hop fernab vom Bouncen im Club oder Kühlschrank-Öffnen bei "MTV Cribs". Er führt den Sprechgesang wieder zurück zu seinen Wurzeln und macht ihm zum Sprachrohr. Gleichzeitig weiß er sich mit Witz und Skills zu behaupten und dabei gleichzeitig seine Identität als schwarzer Brite zu reflektieren. Angewidert von festgefahrenen, mit Plattitüden überladenen Strukturen in der Szene, geht er intellektuell wie spirituell dagegen vor und schafft zudem den Brückenschlag von düsteren 90er Jahre Beats zu aktuellen elektronischen Produktionen. Empfehlenswert, aber eben "Not For Everyone".
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