Die Stadt Jericho verkörpert für Angelika Schrobsdorff einen Traum, den Traum von einer friedvollen, wunderschönen Oase in der Wüste, einen Traum von Liebe und Leidenschaft, den sie vor allem aus der Geschichte von Lydia zieht, die in sieben Wochen in einem Hotel von Jericho ihr bisheriges Leben aus Liebe zu einem Araber aufgibt und mit ihm verschwindet. Ihre eigenen Erfahrungen mit Jericho, daß sie nach Jahren des Träumens endlich kennenlernt und fortan immer wieder besucht, sind nicht so eindeutig romantisch. Stets ist sie mit Männern da, von denen sie sich kurz danach trennen wird, keiner von ihnen versteht ihre Leidenschaft für diese Stadt, die ihr Gesicht je nach politischer Lage zwischen Israelis und Palästinensern ändert, insgesamt aber ärmlich, wenn auch botanisch gesehen wunderschön bleibt. Angelika Schrobsdorff, deutsche Jüdin, ist eine unprätentiöse Erzählerin, die sich in ihrem gesamten Werk mit den unterschiedlichsten Facetten ihres eigenen Lebens auseinandersetzt. Sie erzählt von ihren eigenen Erlebnissen und Gedanken und stellt sich dabei immer wieder selbst in Frage. So möchte man auch als Leser manchmal mit ihr trauern, mit ihr leiden, während man sie andere Male gerne wie ein guter Freund vor ihren eigenen Dummheiten bewahren will. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)