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Jenseits von Hitler: Die Deutschen in der Weltpolitik von Bismarck bis heute [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Gregor Schöllgen
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1. August 2005
Schöllgen zeigt vielmehr die übergreifenden machtpolitischen Konstellationen, die Deutschlands Schicksal im 20. Jahrhundert geprägt haben - jenseits von Hitler. Das Dritte Reich wird in das Kontinuum deutscher Geschichte zurückgeführt, längerfristige Traditionslinien werden sichtbar gemacht. Souverän markiert Schöllgen Zäsuren, die in herkömmlicher Sichtweise oft vernachlässigt werden, obwohl sie Schlüsseldaten unserer jüngeren Vergangenheit sind. So eröffnet er neue Perspektiven und damit neue Einsichten in die deutsche Geschichte vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Geschichtsschreibung, wie man sie sich wünscht: fesselnd, kompakt, lehrreich.

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Auf der deutschen Geschichte (und Geschichtsschreibung) lastet bis heute der Schatten des Dritten Reichs. Die Darstellungen beginnen (oder enden) deshalb meist mit der "Stunde Null" bzw. der Gründung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten. Oder sie haben explizit die Zeit vor Hitler zum Gegenstand und folgen damit ebenfalls dessen Verdikt von der mit ihm heraufziehenden neuen Zeit. Eine deutsche Nationalgeschichte aber muss, ebenso wie eine Geschichte, die die Rolle Deutschlands in der Weltpolitik zum Gegenstand hat, bei Bismarck einsetzen und die auf ihn folgenden Etappen in ihrer Kontinuität und ihrer Diskontinuität auseinander entwickeln. "Am Anfang", schreibt Gregor Schöllgen in seinem Vorwort ganz richtig, "war nicht Hitler", und: "(…) die Jahrzehnte nach der Reichsgründung waren keine Einbahnstraße in die Katastrophe".

Ganz in diesem Sinne setzt Schöllgens analytisches Geschichtsreferat im Jahre 1871 ein und schildert den Weg Deutschlands in der Weltpolitik von da ausgehend bis zur "Überraschung" des Zusammenbruchs der DDR und der Vereinigung der beiden deutschen Nachkriegsstaaten 1991. Er beginnt bei der "Quittung für die Reichsgründung": den Koalitionen gegen Deutschland, die sich nach den Demütigungen zu bilden begannen, die der preußische König, der am 18. Januar 1871 "ausgerechnet im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert worden " war, den geschlagenen Nachbarn zumutete -- so neben der Zahlung erheblicher Kriegsentschädigungen etwa die Abtretung Elsass-Lothringens. Die "Erbfeindschaft", die in den nachfolgenden Dekaden das Verhältnis Deutschlands und Frankreichs prägte, wurde hier gestiftet.

Auf den "Übermut" der Jahre 1884-1901 folgten gemäß Schöllgens historischem Ordnungsversuch die "Isolierung" (1901-1912), das "Vabanque"-Spiel, mit dem das Reich sich "vorbeugend in den Untergang" stürzte (1912-1919), die "Lethargie" der Jahre 1919 bis 1935, der auf die Revision der Geschichte zielende "Angriff" (1935-1941), der "Rückzug" (von Großdeutschland zur Rheinprovinz 1941-1952), die Phase der "Ohmmacht" (1952-1969), schließlich der "Abschied" (vor allem von der Hoffnung auf die Möglichkeit deutscher Einheit) und dann doch die sich seit 1983 langsam unter der Oberfläche vorbereitende "Überraschung" von 1991. -- All diese Etappen resümiert der Autor in der Sache ebenso souverän und hellsichtig wie im Stil gewohnt gefällig. -- Andreas Vierecke

Pressestimmen

»Es hätte schlimmer kommen können zur Zeit nach 1919. Lügen haben kurze Beine zum Wiedervereinigungskapitel. Wenig Worte, kurze Sätze. Schöllgen schreibt Historisches im journalistischen Ton. Damit hatte er schon in seiner Brandt Biografie Bucherfolge mit beträchtlichen Verkaufszahlen.« Norbert Schreiber, Hessischer Rundfunk «Außenpolitik von Bismarck bis heute - und dann noch in der Weltpolitik - ist ein langer, windungsreicher Prozeß, der durch unterschiedliche Leitbilder und Politikstile bestimmt worden ist. Hier wird uns das Ganze auf vierhundert lesefreundlich gestalteten Seiten im flotten Erzählton präsentiert.» Frankfurter Allgemeine Zeitung »Der Erlanger Historiker legt eine brillante Gesamtschau vor... eine schlüssige und pointierte Darstellung, die den großen historischen Bogen nicht scheut... überaus lesenswert.« Rheinischer Merkur

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Gregor Schöllgen hat mit dem vorliegenden Band einen soliden Überblick über die deutsche Außenpolitik von 1871 bis heute vorgelegt. Im Gegensatz zu ähnlichen Darstellungen von Klaus Hildebrand oder Sebastian Haffner lässt er die deutsche Außenpolitik nicht mit dem Jahr 1945 enden, sondern nimmt auch die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland seit 1945 in den Blick. Hier knüpft er an eigene frühere Publikationen, etwa "Der Auftritt" oder "Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland" an. Insgesamt bilanziert Schöllgen völlig korrekt, dass Hitler in keiner deutschen Tradition gestanden hat, am wenigsten in der protestantisch-deutschen (S. 374). Hier knüpft er explizit an Feststellungen Sebastian Haffners an, dessen Werke er als eine der wenigen von Zeithistorikern zitiert. Ansonsten fällt bei dieser kompakten Darstellung der deutschen Außenpolitik auf, dass sich Schöllgen weniger auf Sekundärliteratur, also Bewertungen von Zeithistorikern, stützt, als auf Primärliteratur, insbesondere die Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland bzw. ihren Vorgängern. Dies hat den Vorzug einer quellen- und zeitnahen Darstellung. Besonders gut gefallen hat mir auch, dass Schöllgen - vermutlich aus diesem Grunde - der Versuchung widersteht, die Geschichte rückwirkend, aus unserer heutigen Sicht, darzustellen. Er analysiert wichtige Ereignisse, etwa die zunehmende deutsche Isolierung im Kaiserreich unter Wilhelm II. immer aus Sicht der damaligen Akteure, die eben 1897 noch nicht wissen konnten, wie die Entwicklungen bis 1914 verliefen. Dies gefällt mir gut, weil die unmittelbaren Motive der Akteure zum jeweiligen Zeitpunkt, der - gerade in jener Zeit - auch durch Entwicklungen im asiatischen Raum und des japanisch-chinesischen Konfliktes beeinflusst wurden, dargelegt wurden.

Dennoch gibt es auch Kritikpunkte. So wird die Wechselwirkung zwischen Außen- und Innenpolitik überhaupt nicht berücksichtigt, Außenpolitik scheint sich für Schöllgen im "luftleeren" Raum abzuspielen. Hierfür ein Beispiel: die - sicherlich folgenreiche - Kolonialpolitik Bismarcks ist - wie Sebastian Haffner treffend dargestellt hat - hauptsächlich innenpolitisch motiviert worden, um die england-freundliche Politik des damligen Kronprinzen, Friedrich III., zu konterkarieren. Auf diesen Aspekt geht Schöllgen nicht ein, weil Bismarck darüber nie offen gesprochen hat. Hier wird die Schwäche jeder Quellenstudie deutlich; Quellen können nur insofern aussagekräftig sein, als die wahren Motive der Akteure dort auch klipp und klar benannt werden. Und ob die Deutschen jemals "aus dem Schatten Adolf Hitlers" treten, wie es der Verfasser mehrfach postuliert, wage ich zu bezweifeln. Hier klingt für mich - wie auch an den Stellen, die darlegen, die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Diktatur im gesamten Geschichtsverlauf müssten relativiert und in eine gesamten Geschichtsbetrachtung eingebettet werden- der Versuch an, sich der (lästigen?) Vergangenheit nicht mehr stellen zu müssen und endlich (?) Normalisierung zu betreiben. Ähnliche Töne hatte Schöllgen schon in seinem an sich gut lesbaren Buch: "Der Auftritt" angeschlagen, in dem er die "Rückkehr Deutschlands auf die Weltbühne" als neue Macht in der Mitte Europas (in Anlehnung an eine Publikation von Hans-Peter Schwarz aus dem Jahre 1994)begrüßte. Recht hat Schöllgen aber zweifellos darin, dass die Gründung des deutschen Reiches ein Danäer-Geschenk gesesen ist und dass - hier wieder Haffner zitierend - "der höchste Triumpf Bismarcks schon die Wurzeln seines Scheiterns enthielt" (S. 19), weil eben eine neue Großmacht entstand, die sich eben seit Wilhelm II. nicht als "saturiert" verstand, sondern - spätestens seit 1897 - einen "Platz an der Sonne" ergattern wollte und somit mit den anderen Mächten in Konflikt geraten und - durch die törichte Politik des Kaisers und der deutschen Eliten (Stichwort: Flottenpolitik gegen England) - in die Isolation geraten musste.

Insgesamt bei weitem nicht so faszinierend wie Haffners: "Von Bismarck zu Hitler" und nicht so detailliert wie Klaus Hildebrands: "Das vergangene Reich", aber dennoch ist das Werk eine insgesamt solide erste Einführung in die Außenpolitik, die diese bis in unsere Gegenwart fortschreibt.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutsche Aussenpolitik einfach und knapp! 17. Oktober 2005
Von O. Miller
Format:Gebundene Ausgabe
Wievielen Schülergenerationen wurde nicht schon das Bismarcksche Bündnissystem eingetrichtert. Wieviele hatten schon unter den Vertragswirrungen der Kaiserzeit zu leiden? Dieses Buch klärt nun alles auf. Kruz, einfach und doch informativ bringt Schöllgen dem Leser die Deutsche Aussenpolitik von 1871 bis heute näher. Geschickt schlüsselt er die komplizierte Vertragssituation Europas vor dem ersten Weltkrieg auf (Stichworte sind hier zum Beispiel: Zweibund, Triple Entente) und erklärt auch welche Absichten das jeweilige Land mit den Verträgen verfolgte. Nach einem Streifzug durch die Aussenpolitik des Dritten Reiches schildert der Autor die ersten zaghaften Gehversuche der neuen Deutschen Republik auf dem diplomatischen Parket bis hin zu der Wiedervereinigung und den heutigen aussenpolitischen Kurs. Das Buch ist nicht nur für "Geschichtsinsider" sonder ein durchaus empfehlenswertes werk für den interessierten Laien und meiner meinung nach geradezu ideal für den Schüler in den höheren Klassen!
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