Es war eine wundervolle Geschichte voller eindringlicher Emotionen, fesselnder Handlungsstränge und viel belebendem Humor. Eingepackt in die wilde Landschaft Patagoniens und das von der Cholera bedrohte Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts, hat es die Autorin Carla Federico geschafft ein Kaleidoskop von Empfindungen in mir freizusetzen. Ich kann nur sagen, es war für mich ganz großes Kopfkino, wie Emilia und Rita, zwei so grundsätzlich unterschiedliche Mädchen ihrer Zeit, jeweils versuchten ihren Weg durchs Leben zu finden. Dabei hatten sie es wahrlich nicht leicht. Beide Frauen, bestrebt vor ihrer Vergangenheit zu entfliehen. Beide wurden sie vom Schicksal aufs ärgste gebeutelt, und beide verband nach ihrem zufälligen Aufeinandertreffen eine innige Freundschaft zueinander. Dabei hätte ich nun gar nicht mal sagen können, welche der jungen Frauen es mir eher angetan hat. Es war einfach schön über die tatkräftige, deutschstämmige Emilia einer Auswandererfamilie und das kleine Mapuche-Mädchen, die Augenzeugin der Auslöschung ihres Stammes wurde und alles verlor, zu lesen. Spannend, dramatisch und trotzdem stets authentisch und überaus menschlich, wie ich fand. Dabei spielten die unterschiedlichsten Charaktere immer wieder eine große Rolle. Einige liebenswert und zum Schmunzeln, andere grausam und zum Haare herausreißen, konnte ich ob den spritzigen Dialogen genauso lachen, wie mich die tragischen Szenen erschaudern ließen. Dabei viel mir nie auf, dass es sich bei diesem Buch um einen zweiten Band handelte. Er kann also auch gut ganz eigenständig gelesen werden. Ein Auswanderer-Roman, der Lust auf mehr macht.
Kurz: Ein wunderbarer historischer Roman, der mich in seinen Bann ziehen konnte.