Kurzbeschreibung
Eingehüllt in ein schneeweißes Seidentuch liegt die goldene Uhr des Vaters eines Abends unter seinem Kopfkissen. So eine Uhr gibt es in dem kleinen griechischen Dorf kein zweites Mal. Und ohne zu wissen, daß sein Vater niemals zurückkehren würde, spürt der junge Nikolas, daß sein altes Leben zu Ende ist. Er widersetzt sich den hergebrachten Regeln und verläßt Epirus, für immer und ohne Ziel. Seine Reise führt ihn zu den türkischen Steinmetzen und verführerischen Armenierinnen von Mitilini. Und sie verschlägt ihn schließlich bis nach Konstantinopel, in eine neue Welt. Wißbegierig nimmt er die Erkenntnisse seiner Zeit auf, genießt die prachtvollen orientalischen Bäder. Und er begegnet Anna, der Tochter des wohlhabenden Anton. Doch seine Liebe zu ihr wird nicht erwidert. Fremd und faszinierend ist die Welt, von der Nikos Themelis erzählt. Und in dem Griechenland des ausgehenden 19. Jahrhunderts erfährt sein kluger, besonnener Held Nikolas Liebe und Verlust, Hingabe, Schmerz und tiefe Freundschaft.
Über den Autor
Nikos Themelis, 1947 in Athen geboren, studierte Jura in Thessaloniki und Köln. Er arbeitete als Rechtsanwalt für das griechische Wirtschaftsministerium und als Berater in Brüssel, bevor er zur rechten Hand des griechischen Ministerpräsidenten avancierte. »Jenseits von Epirus« steht seit drei Jahren auf der griechischen Bestsellerliste und ist die Geschichte seines eigenen Großvaters. Nikos Themelis lebt mit seiner Frau in Athen.
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Schon zu Beginn der achtziger Jahre ging es mit den Geschäften meines Vaters aufwärts. Früher war er Iltizamci, Steuerpächter - ich war da noch klein und kann mich nicht erinnern -, doch rasch kehrte er zum Handel zurück; er wollte sich nicht schämen, so sagte meine Mutter, mochte es auch eine würdige und einträgliche Stellung sein, nach der so viele im geheimen oder ganz offenkundig in Ioannina strebten, auch wegen der Beziehungen mit der Pforte. Er streckte seine Fühler in Ioannina aus, begann eine Handelspartnerschaft mit einem Freund aus Siatista, um die andern einzuholen, und sie fingen an, gemeinsam und auch getrennt sämtliche Verwaltungsbezirke in Epirus und in Makedonien bis zur Donau abzugrasen. Zudem hatte er eine gute Beziehung zu einem gewissen Petros, einem Händler aus dem nahen Koukouli, aber auch mit den Karawanen, die von Dovra aus aufbrachen. Zwei-, dreimal gelangten sie bis nach Bukarest, Braila und Odessa und schlossen dort ein paar Verträge ab, obwohl niemals vorher etwas gegangen war, da waren plötzlich Grenzen gewesen, und alles war so schwierig geworden. Handelsbeziehungen hatten sie auch mit Saloniki. Doch dort hatten vor allem Juden die Schlüsselstellungen inne. So wandten sie sich nach Norden, ohne aber ihre Beziehungen zu gefährden oder gar unglücklich zu sein, und fanden einen dritten Kompagnon, der eine Handelsagentur im Gebiet der Walachen hatte. Sehr schnell machten sie sich in Sagoria und in Siatista einen Namen und schufen sich eine feste Lebensgrundlage, während andere, die an den alten Gewohnheiten hingen, verkümmerten und ein Vermögen an Land und Vieh verloren. Besonders als die Privilegien aufgehoben wurden, kamen bittere Zeiten für Sagoria ..."