"Jenseits von Eden " des Literaturnobelpreisträgers John Steinbeck ist die Geschichte zweier Familien, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Der Roman spielt im Kalifornien des 19. Jahrhunderts und reicht bis hin zum Ende des 1. Weltkrieges. In Amerika herrscht Gründerzeitstimmung und die Industrialisierung sowie die wachsende Infrastruktur prägen den Zeitgeist.
Charles und Adam Trask wachsen auf einer Fram auf und die beiden Bruder buhlen um die Gunst ihres Vaters. Dieser ist besessen von dem Gedanken, eine ehrenvolle Aufgabe im Militär zu bekommen, was ihm als Invalide jedoch versagt bleibt. Während Charles die Farm bewirtschaftet, wird Adam zur Armee geschickt. Als er nach Jahren wieder zurück kommt, voll von schrecklichen Erlebnissen, findet er die schwer verwundete bildhübsche Cathy und pflegt diese gesund. Beide Brüder verlieben sich in die eigenartige Frau.
Im zweiten Teil heiraten Adam und Cathy und sie wird mit Zwillingen schwanger. Liebestrunken kauft Adam eine Farm und will sie zum trauten Heim umbauen. Doch Cathy negiert ihre Schwangerschaft und verlässt nach der Geburt der Zwillinge in einer dramatischen Szene Adam und die beiden Säuglinge.
Wieder ist Adam traumatisert und Lee, der chinesische Diener, sowie Samuel Hamilton, ein weiser Erfinder, nehmen sich der Trasks an. In der Folge wiederholt sich die Geschichte- nun sind es die Brüder Caleb und Aron, die um die Gunst des Vaters kämpfen.
"Jenseits von Eden"-dieser Titel bezieht sich auf ein Zitat aus dem 1. Buch Mose in der Bibel. Nachdem Kain aaus Wut seinen Bruder Abel erschlagen hat, wird er von Gott aus dessen Nähe vertrieben und siedelt "jenseits von Eden" in dem Lande Nod.
Die Figuren der alttestamentlichen Ur-Familie stehen sinnbildlich für die im Roman charakterisierten Personen. Es dreht sich alles um die Ur-Frage des Menschen, der schon Eva im Paradies ausgesetzt war: Wie kommt es dazu, dass der Mensch sich bei der Wahl zwischen Gut und Böse oft für das Böse entscheidet?
Dass der Mensch eine Wahl hat und verantwortlich für sein Tun ist, erörtert Steinbeck meisterhaft in einem Gespräch zwischen Lee und Sam Hamilton- für mich ist dies der Höhepunkt des Buches. Es geht um die Bedeutung des hebräischen Wortes "timschal", dem in der Kain-und-Abel-Geschichte eine entscheidende Bedeutung zukommt. In dem Wörtchen steckt kein Befehl, sondern eine Verheißung, eine Wahl. Die Entscheidung für sein Handeln liegt beim denkenden Menschen, der sich nicht aus der Verantwortung für sein Tun herauswinden kann.
Dieser rote Faden zieht sich durch alle Protagonisten dieses Buches, ob sie sich für das Übel (wie Cathy) entscheiden oder für den Weg der Tugend wie Samuel Hamilton.
"Jenseits von Eden" ist ein wundervolles Buch, gespickt mit Lebensweisheiten, gefüllt mit herrlichen Landschaftsbeschreibungen und gewürzt duch ausgefeilt Charakterisierungen.
Ein Meisetwerk der Literatur.