Ihre Bücher begeistern seit mehr als einem halben Jahrhundert Kinder auf der ganzen Welt. Ob "Die Kinder von Bullerbü", "Karlsson vom Dach" oder "Pippi Langstrumpf" - Astrid Lindgren ist es in ihren Geschichten immer gelungen, eine Welt zu erschaffen, nach der sich jedes Kind sehnt. Eine Welt, die neben fantasievollen Geschichten ganz elementare Wünsche erfüllt. So nehmen Eltern ihre Kinder zum Beispiel in den Arm anstatt sie zu züchtigen. Astrid Lindgren verarbeitete in ihren Geschichten vor allem ihre eigenen Wünsche und Erfahrungen, baute sich zuweilen eine Parallelwelt, in der sie die Kindheit, die sie so nicht erlebt hatte, genoss.
Diese und viele weitere Anekdoten aus dem Leben der schwedischen Erfolgsautorin erzählt Maren Gottschalk in "Jenseits von Bullerbü", der Lebensgeschichte Astrid Lindgrens. Behutsam nähert sie sich dem Leben "der beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts". Durch Interviews mit Freunden und Kollegen von Astrid Lindgren gelingt es Maren Gottschalk viele private Details, über die die Kinderbuchautorin zeitlebens nur selten sprach, zu dokumentieren. Das Schöne daran: Maren Gottschalk zeichnet die Lebensgeschichte vielschichtig und chronologisch nach.
Astrid Lindgren wächst im südschwedischen Småland auf. Sie ist ein schüchternes und unsicheres Bauernmädchen. Weil sie schon immer gut schreiben kann, beginnt sie mit 17 Jahren ein Volontariat bei einem lokalen Anzeigenblatt. Ein Jahr später, nach einer Affäre mit dem Chefredakteur, ist sie schwanger und muss die Kleinstadt Vimmerby verlassen. Sie bekommt ihren Sohn Lars, der aber in den ersten drei Jahren nicht bei ihr lebt. Als Sekretärin schlägt sie sich durch, heiratet und bekommt ein zweites Kind. Das Schreiben ihrer Kinderbücher beginnt sie erst mit 37 Jahren, als sie ihrer Tochter die Geschichte der "Pippi Langstrumpf" zum Geburtstag schenken will. Zuvor hatte sie sich geschworen: "auf keinen Fall Dichterin werden". Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, die immer wieder durch private Tiefschläge geprägt ist.
So flüssig geschrieben wie ein Roman, leitet "Jenseits von Bullerbü" den Leser ab 14 Jahren durch die faszinierende Lebensgeschichte von Astrid Lindgren. Dabei verliert er sich nicht in wüsten Zahlen und Fakten, sondern wird begleitet. Maren Gottschalk stellt ständig die Verbindung zwischen Astrid Lindgrens Leben und der Verarbeitung dessen in ihren Werken her. Sie bettet die Ereignisse in den historischen Zusammenhang ein und macht durch einen Reichtum an Zitaten von Astrid Lindgren deutlich, welche Bedeutung ein Ereignis für sie hatte.
Am Ende von "Jenseits von Bullerbü" meint der Leser Astrid Lindgren zu kennen, was zweifelsfrei das Beste ist, das eine Biografie bewirken kann. Eine noch persönlichere Note bekommt das Buch durch die privaten Schwarzweiß-Fotografien, die die Autorin mit ihrer Familie in ihrem Zuhause zeigen. Die Umschlaggestaltung des Buches von Dorothea Göbel gibt der Biografie noch einen besonderen Stil, denn die Illustration bildet die heile Welt aus Astrid Lindgrens Geschichten ab. Eine Welt, in der die Kinderbuchautorin wohl selbst gern gelebt hätte. Insofern ist es ein passender Rahmen für ihre Lebensgeschichte.
Eine Zeittafel gibt einen schnellen Überblick über das Leben von Astrid Lindgren und das umfassende Quellenverzeichnis lässt den Leser nur erahnen, welch aufwändige Recherchearbeit hinter "Jenseits von Bullerbü" steckt.
Maren Gottschalk hat in "Jenseits von Bullerbü" nicht nur die Biografie der Autorin und Nobelpreisträgerin Astrid Lindgren aufgeschrieben. Es geht um eine bewundernswerte Frau und Mutter, die Stärke entwickelte, weil sie musste und wollte. Die fesselnde Lebensgeschichte der Astrid Lindgren gehört genauso ins Bücherregal, wie "Pippi Langstrumpf" und Co.