Zunächst zu meinem Vorredner: Einem der Meister der Geisteswissenschaft und Virtuosen der deutschen Sprache vorzuwerfen, er könne kein deutsch, ist anmaßend bis ins Unübertreffbare. Wer selbst ein Genitiv-Apostroph verwendet (das es im Deutschen nicht gibt), sollte sich in der Tat besser mit Harry Potter beschäftigen und sich nicht erdreisten, einen Friedrich Nietzsche zu bewerten.
Zu Letzterem selbst ist nicht viel zu sagen, außer dass er nichts unbezweifelt lässt und ihm nichts heilig ist. Sein vorliegendes Werk zur Moral wurde oft missverstanden und fehlgedeutet, nicht zuletzt von den Nazis. Es führt uns vor, dass es keine absolute Ethik gibt und dass wir unsere Moral selbst erschaffen müssen - auch damit wir erkennen, dass jedes noch so hoch angesehene ethische System doch immer willkürlich und frag-würdig ist.
Vieles, was Nietzsche vor 140 Jahren aufwarf, mag heute selbstverständlich sein und banal erscheinen - haben wir uns doch an die Freiheiten gewöhnt, deren Erringung mit Menschen wie ihm angefangen hat. Jenseits von Gut und Böse ist trotzdem aktuell wie damals, denn es mahnt seine Leser, keinen falschen Moralpredigern auf den Leim zu gehen, auch - oder erst recht - wenn sie sich Philosophen nennen. Ein Muss für jeden freien Geist!